Ebola im Kongo: über 5000 Tote, und die USA verlangen ab heute eine Unterschrift von jedem Flugpassagier
Der Bundibugyo-Ausbruch ist der schwerste in der Geschichte des Kongo, ein Impfstoff fehlt. Washington ersetzt sein Einreiseverbot durch eine Selbstdeklaration für alle Flüge in die USA, die Airlines nennen das teuer und unverhältnismässig. Die Schweiz behandelt ihre dritte Ebola-Patientin.
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat die Marke von 5000 Toten überschritten. Nach der am 2. November aktualisierten Übersicht der US-Seuchenbehörde CDC zählte der Ausbruch bis zum 31. Oktober 10'498 bestätigte Fälle und 5107 bestätigte Todesfälle, davon 10'467 Fälle und 5103 Tote im Kongo selbst. Dazu kommen 20 Fälle in Uganda, neun in Kenia, je einer in Nigeria und Frankreich. Die kongolesischen Behörden meldeten laut der Nachrichtenagentur epd 5026 Tote bei 10'351 Infizierten in acht Provinzen; das nationale Institut für öffentliche Gesundheit gibt die Sterblichkeit mit 48,6 Prozent an.
Die US-Nachrichtensendung «Evening Wire» von Daily Wire fasste die Lage am Montag so zusammen: «Gesundheitsbehörden geben düstere Warnungen vor einem Anstieg des Ebola-Virus heraus.» Moderatorin Georgia Howe berichtete von fast 5000 Toten im Kongo und davon, dass es für den Bundibugyo-Stamm weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine Therapie gebe.
Ein Stamm ohne Impfstoff
Das bestätigt die Weltgesundheitsorganisation. Die WHO wurde am 5. Mai über eine Häufung tödlicher Erkrankungen in der Gesundheitszone Mongbwalu in der Provinz Ituri alarmiert; am 17. Mai erklärte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausbruch zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976, aber der erste grosse mit dem Bundibugyo-Virus. Der Impfstoff Ervebo und die bestehenden Antikörpertherapien wirken nur gegen das Zaire-Virus; auch der verbreitete Schnelltest GeneXpert erkennt Bundibugyo nicht. Die WHO stuft das Risiko im Kongo als sehr hoch, regional als hoch und global als niedrig ein und spricht sich ausdrücklich gegen Reise- und Handelsbeschränkungen und Grenzschliessungen aus.
Seit dem 23. Oktober läuft in Bunia in der Provinz Ituri eine von der Impfallianz CEPI koordinierte Phase-2/3-Studie namens Tumaini, die zunächst prüft, ob Ervebo einen Kreuzschutz bietet; zwei Bundibugyo-spezifische Kandidaten sind laut Latin Times in früheren Studienphasen. Für den laufenden Ausbruch kommen die Resultate zu spät.
Der Direktor der afrikanischen Seuchenbehörde Africa CDC, Jean Kaseya, forderte die Mitgliedstaaten bereits im Juni auf, Ausreisekontrollen an Flughäfen, Häfen und Grenzübergängen zu verstärken. Ausreisescreening sei ein praktisches, sichtbares und wissenschaftlich begründetes Instrument, um das Risiko zu senken, sagte er; Afrika setze die nötigen Massnahmen um, damit breite Reisebeschränkungen unnötig würden. Nach Angaben von Latin Times warnte Kaseya im Oktober, bis zu zwölf Länder seien gefährdet, und Temperaturmessungen allein könnten Infizierte nicht erkennen. In Kenia starb Anfang Oktober ein aus dem Kongo eingereister Patient, der die routinemässige Flughafenkontrolle passiert hatte.
Washington: Unterschrift statt Einreiseverbot
Die USA gehen einen anderen Weg als die WHO empfiehlt. Ab dem 3. November, 23.59 Uhr Ostküstenzeit, muss jeder Passagier eines internationalen Flugs in die USA unterschreiben, dass er in den 21 Tagen vor dem Abflug nicht im Kongo war; Zwischenlandungen zählen mit, selbst wenn man im Flugzeug sitzen bleibt. Die Erklärung ersetzt ein Einreiseverbot, das zunächst Ausländer und ab Juli auch US-Bürger betraf, die im Kongo gewesen waren. Die CDC schätzt das Risiko für die amerikanische Bevölkerung weiterhin als gering ein.
Die Fluggesellschaften müssen die Erklärung einsammeln, Passagieren ohne Unterschrift das Boarding verweigern und die Formulare 42 Tage aufbewahren. Der Verband Airlines for America nannte die Anordnung in einem Brief an die CDC laut Tech Times «übermässig streng, kostspielig und belastend für Amerikaner und die US-Luftfahrtindustrie»: 2025 seien rund 130 Millionen Passagiere aus dem Ausland eingereist, weniger als 25'000 davon mit dokumentiertem Kongo-Bezug. Der Weltverband IATA verlangte einen chirurgischeren Ansatz und eine Verschiebung des Starttermins. Die Anordnung läuft bis zum 18. Dezember, falls sie nicht verlängert wird.
Die Schweiz behandelt ihre dritte Ebola-Patientin
Auch die Schweiz ist betroffen. Am 26. Oktober flog die Rega eine mit dem Bundibugyo-Virus infizierte Schweizerin und ihren Ehemann von Abuja nach Zürich. Die Frau, nach Angaben der nigerianischen Seuchenbehörde die 42-jährige Ehefrau eines Schweizer Botschaftsangestellten, wird am Universitätsspital Genf behandelt; der Ehemann ist als enge Kontaktperson am Universitätsspital Zürich isoliert. Das Bundesamt für Gesundheit schreibt: «Für die Schweizer Bevölkerung besteht dadurch keine Gefährdung.» Seit 2019 sind HUG und USZ die beiden Referenzspitäler des Landes für solche Fälle. Laut SRF ist es erst der dritte in der Schweiz behandelte Ebola-Fall nach 1995 und 2014. Das europäische Seuchenzentrum ECDC schätzt die Ansteckungswahrscheinlichkeit für Menschen in Europa als sehr gering ein.
Klartext
Die Schweiz zeigt, wie man mit Ebola umgeht: zwei vorbereitete Spitäler, eine Evakuation ohne Aufregung, klare Information. Washington dagegen lässt 130 Millionen Passagiere ein Formular unterschreiben, um weniger als 25'000 Reisende zu erfassen, von denen die allermeisten gesund sind. Das ist Papierbürokratie, die Fluggesellschaften und Reisende bezahlen, und sie ersetzt keinen Impfstoff. Wirksam sind Kontrollen an der Quelle, Isolationskapazität und eine Impfstoffentwicklung, die den Bundibugyo-Stamm nicht zwei Jahrzehnte lang ignoriert. Wer Seuchen stoppen will, braucht funktionierende Institutionen vor Ort, keine Unterschriften am Gate.
«Für die Schweizer Bevölkerung besteht dadurch keine Gefährdung.»
– Bundesamt für Gesundheit, Medienmitteilung vom 26. Oktober 2026