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    <title>The Daily Dispatch – International</title>
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    <description>Tägliche Nachrichten, recherchiert und geschrieben aus den Gesprächen, die sich lohnen.</description>
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    <lastBuildDate>Wed, 04 Nov 2026 15:14:36 +0000</lastBuildDate>
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      <title>Drei Flugzeugträger, «zehn Minuten» und ein Ölpreis bei 117 Dollar: Was nach den Midterms am Golf droht</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-11-03-drei-flugzeugtraeger-zehn-minuten-und-ein-oelpreis-bei-117-d.html</link>
      <description>Washington zieht Träger und Marines vor Iran zusammen, ein Senator nennt den Kriegsplan wahnsinnig, Trump spricht von «ein oder zwei Anlagen». Der Ölmarkt hat den Preis für eine Eskalation schon einmal vorgerechnet.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Am Tag der US-Zwischenwahlen schaut der Ölmarkt auf den Persischen Golf: Die US-Marine schickt mit der USS Theodore Roosevelt einen weiteren Flugzeugträger in die Region, der Kongress ist über einen Kriegsplan unterrichtet, Brent erreichte im Oktober ein Sechsmonatshoch. Drei bürgerliche Podcasts stellten dieselbe Frage: Schlägt Trump nach der Wahl zu, und was kostet das?</p>
<h2>Der Aufmarsch</h2>
<p>Die Theodore Roosevelt verliess San Diego laut <a href="https://www.yahoo.com/news/us/articles/uss-theodore-roosevelt-becomes-5th-175129306.html">Task &amp; Purpose</a> am 27. September als fünfter von elf Trägern, die seit Kriegsbeginn am 28. Februar für Iran-Operationen abgestellt wurden. Derzeit stehen die USS George Washington und die USS George H.W. Bush in der Region und stützen die Blockade iranischer Häfen, in deren Rahmen das US-Zentralkommando bis zum 31. Oktober 144 Handelsschiffe umgeleitet hat (<a href="https://www.foxnews.com/live-news/us-iran-war-trump-israel-strait-hormuz-10-31-26">Fox News</a>). Ein US-Beamter sagte <a href="https://www.aljazeera.com/news/2026/10/2/us-to-send-third-aircraft-carrier-towards-iran-us-official-to-al-jazeera">Al Jazeera</a>, bis Ende November würden drei Flugzeugträger und zwei amphibische Landungsgruppen um Iran positioniert sein. Ob die Roosevelt die George Washington ablöst oder alle drei gleichzeitig operieren, ist offen; die Angabe aus «Krall und Bubeck», es sei die erste Dreier-Präsenz seit 2003, liess sich nicht bestätigen.</p>
<p>Laut AP forderten US-Beamte die Verbündeten im Nahen Osten vertraulich auf, sich auf neue Schläge und iranische Vergeltung vorzubereiten; Irans Militär drohte US-Basen und Energieanlagen in Saudi-Arabien, Bahrain und den Emiraten.</p>
<h2>«Wahnsinnig» gegen «zehn Minuten»</h2>
<p>Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut schrieb am 29. Oktober auf X, Trump plane Berichten zufolge, den Krieg nach der Wahl wieder aufzunehmen; einige Senatoren seien über den Kriegsplan unterrichtet worden, und dieser Plan sei «wahnsinnig». Er werde die Ziele nicht erreichen und einen neuen Eskalationszyklus auslösen. Am Middle East Institute ergänzte Murphy laut <a href="https://newrepublic.com/post/217352/plan-insane-democratic-senator-murphy-warning-next-stage-iran-war">The New Republic</a>, es gebe offene Berichte über zivile Infrastruktur als mögliche Ziele. Murphy ist ein Gegner der Regierung; Einzelheiten nannte er nicht.</p>
<p>Trump gab an seiner Halloween-Party in Mar-a-Lago am 31. Oktober die Gegenposition: Es blieben «ein oder zwei Anlagen», darunter der Bunkerkomplex Pickaxe Mountain, und: «Das können wir in zehn Minuten machen.» Zugleich wolle er einen Deal (<a href="https://jpost.com/middle-east/iran-news/article-913424">Jerusalem Post</a>, Fox News). Aussenminister Marco Rubio erklärte am selben Tag, der Präsident habe noch keinen Entscheid getroffen und ziehe eine diplomatische Lösung vor.</p>
<h2>Minen, Blockade und der Preis des Öls</h2>
<p>Der Markt hat die Eskalation bereits einmal bepreist. Am 30. Oktober schloss der auslaufende Dezember-Kontrakt für Brent laut <a href="https://www.kotakneo.com/news/commodities/oil-prices-hit-six-month-high/">Kotak Neo</a> bei 117,64 Dollar nach einem Tageshoch von 118 Dollar; der liquidere Januar-Kontrakt lag bei 113,43 Dollar. Im Oktober legte Brent 13,6 Prozent zu. Auslöser waren Zwischenfälle in der Strasse von Hormus: Die Revolutionsgarden meldeten drei Tanker, die vor Oman Minen getroffen hätten, die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO ein Kleinboot, das Sprengsätze an einem Tanker anbrachte. Das US-Zentralkommando erklärte die Haupttransitrouten für minenfrei, die Garden verlangten Beweise (<a href="https://www.cnbc.com/2026/10/30/iran-trump-hormuz-oil-middle-east-.html">CNBC</a>).</p>
<p>Seit Montag läuft es in die andere Richtung. Iran und Katar verhandeln seit Tagen; Präsident Massud Peseschkian deutete an, Revolutionsführer Mojtaba Chamenei habe Friedensgespräche autorisiert, Aussenminister Abbas Araghtschi sprach von einem Zwei-Tage-Plan zur Wiedereröffnung der Meerenge. Brent fiel am 2. November um rund sechs Prozent auf 106,65 Dollar (<a href="https://www.oilandgas360.com/brent-falls-below-107-as-iran-signals-willingness-to-negotiate/">Oil &amp; Gas 360</a>), zeitweise um 7,7 Prozent. Teheran macht die Öffnung der Strasse vom Ende der US-Seeblockade abhängig.</p>
<h2>Was die Podcasts sagen</h2>
<p>In «Krall und Bubeck» sieht Christian Bubeck die Zeichen auf Sturm: «Ich bin mir schon persönlich sehr sicher, dass es da nochmal richtig knallen wird.» Markus Krall deutet den Krieg als Kampf um den Petrodollar: Der Dollar bleibe nur Leitwährung, wenn alle grossen Ölproduzenten in Dollar abrechneten, Iran sei das letzte fehlende Glied. Das ist eine These, keine belegte Tatsache. Krall warnt vor den Meerwasserentsalzungsanlagen und Pipelines der Golfstaaten als Achillesfersen: «Das Potenzial einer humanitären Katastrophe ist gigantisch». Einen Weltkrieg erwartet er nicht. Bubecks Behauptung, Satellitenbilder zeigten die bombardierten Atomanlagen wieder in Betrieb, liess sich nicht überprüfen.</p>
<p>Philipp Matthäus rechnet im «Börsenwecker» von Tichys Einblick nüchterner: Ein neuer Angriff mit iranischer Vergeltung gegen Ölanlagen am Golf könne Brent Richtung 150 Dollar treiben, zumal die Reserven weitgehend aufgebraucht seien; ein Verhandlungsfrieden senke Ölpreis, Inflation und Zinsen. Den Montagsrückgang gab er mit knapp zehn Prozent an, die Marktdaten zeigen sechs bis knapp acht.</p>
<p>Im «TE Wecker» fasste US-Korrespondentin Suse Heger ein Trump-Interview zusammen: Die USA warteten ab, hätten im Notfall das beste Militär und wollten das Regime, nicht die Menschen treffen; die Ölimporte seien fast wieder auf dem alten Stand.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Der Ölpreis ist die ehrlichste Steuer dieses Krieges: Jeden Dollar, den die Angst vor einem neuen Schlag auf Brent legt, zahlen Autofahrer, Spediteure und Industriebetriebe in Europa, nicht die Planer in Washington. Trumps Worte von «ein oder zwei Anlagen» sind das Eingeständnis, dass die Schläge vom Frühjahr das Problem nicht erledigt haben. Wer drei Flugzeugträger aufbietet, muss sagen, welches Ergebnis die nächste Runde bringt, das die erste nicht gebracht hat. Ein Deal, der die Strasse von Hormus öffnet, ist der Bombenlösung vorzuziehen, aus Eigeninteresse des Westens. Europa hat sich mit seiner Energiepolitik selbst zur Geisel jeder Meerenge gemacht.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 03 Nov 2026 11:52:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ebola im Kongo: über 5000 Tote, und die USA verlangen ab heute eine Unterschrift von jedem Flugpassagier</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-11-03-ebola-im-kongo-ueber-5000-tote-und-die-usa-verlangen-ab-heut.html</link>
      <description>Der Bundibugyo-Ausbruch ist der schwerste in der Geschichte des Kongo, ein Impfstoff fehlt. Washington ersetzt sein Einreiseverbot durch eine Selbstdeklaration für alle Flüge in die USA, die Airlines nennen das teuer und unverhältnismässig. Die Schweiz behandelt ihre dritte Ebola-Patientin.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat die Marke von 5000 Toten überschritten. Nach der am 2. November aktualisierten Übersicht der US-Seuchenbehörde CDC zählte der Ausbruch bis zum 31. Oktober <a href="https://www.cdc.gov/ebola/situation-summary/index.html">10'498 bestätigte Fälle und 5107 bestätigte Todesfälle</a>, davon 10'467 Fälle und 5103 Tote im Kongo selbst. Dazu kommen 20 Fälle in Uganda, neun in Kenia, je einer in Nigeria und Frankreich. Die kongolesischen Behörden meldeten laut der Nachrichtenagentur epd <a href="https://www.ref.ch/news/ebola-kongo-5000-tote-kenia-uganda-nigeria-zurich/">5026 Tote bei 10'351 Infizierten</a> in acht Provinzen; das nationale Institut für öffentliche Gesundheit gibt die Sterblichkeit mit 48,6 Prozent an.</p>
<p>Die US-Nachrichtensendung «Evening Wire» von Daily Wire fasste die Lage am Montag so zusammen: «Gesundheitsbehörden geben düstere Warnungen vor einem Anstieg des Ebola-Virus heraus.» Moderatorin Georgia Howe berichtete von fast 5000 Toten im Kongo und davon, dass es für den Bundibugyo-Stamm weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine Therapie gebe.</p>
<h2>Ein Stamm ohne Impfstoff</h2>
<p>Das bestätigt die Weltgesundheitsorganisation. Die WHO wurde am 5. Mai über eine Häufung tödlicher Erkrankungen in der Gesundheitszone Mongbwalu in der Provinz Ituri alarmiert; am 17. Mai erklärte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausbruch zur <a href="https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON603">gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite</a>. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976, aber der erste grosse mit dem Bundibugyo-Virus. Der Impfstoff Ervebo und die bestehenden Antikörpertherapien wirken nur gegen das Zaire-Virus; auch der verbreitete Schnelltest GeneXpert erkennt Bundibugyo nicht. Die WHO stuft das Risiko im Kongo als sehr hoch, regional als hoch und global als niedrig ein und spricht sich ausdrücklich gegen Reise- und Handelsbeschränkungen und Grenzschliessungen aus.</p>
<p>Seit dem 23. Oktober läuft in Bunia in der Provinz Ituri eine von der Impfallianz CEPI koordinierte Phase-2/3-Studie namens Tumaini, die zunächst prüft, ob Ervebo einen Kreuzschutz bietet; zwei Bundibugyo-spezifische Kandidaten sind laut <a href="https://www.latintimes.com/bundibugyo-ebola-outbreak-spreads-africa-drc-cases-600828">Latin Times</a> in früheren Studienphasen. Für den laufenden Ausbruch kommen die Resultate zu spät.</p>
<p>Der Direktor der afrikanischen Seuchenbehörde Africa CDC, Jean Kaseya, forderte die Mitgliedstaaten bereits im Juni auf, <a href="https://africacdc.org/news-item/africa-cdc-urges-member-states-to-strengthen-exit-screening-and-public-health-measures-at-points-of-entry/">Ausreisekontrollen an Flughäfen, Häfen und Grenzübergängen</a> zu verstärken. Ausreisescreening sei ein praktisches, sichtbares und wissenschaftlich begründetes Instrument, um das Risiko zu senken, sagte er; Afrika setze die nötigen Massnahmen um, damit breite Reisebeschränkungen unnötig würden. Nach Angaben von Latin Times warnte Kaseya im Oktober, bis zu zwölf Länder seien gefährdet, und Temperaturmessungen allein könnten Infizierte nicht erkennen. In Kenia starb Anfang Oktober ein aus dem Kongo eingereister Patient, der die routinemässige Flughafenkontrolle passiert hatte.</p>
<h2>Washington: Unterschrift statt Einreiseverbot</h2>
<p>Die USA gehen einen anderen Weg als die WHO empfiehlt. Ab dem 3. November, 23.59 Uhr Ostküstenzeit, muss <a href="https://www.cdc.gov/ebola/situation-summary/index.html">jeder Passagier eines internationalen Flugs in die USA</a> unterschreiben, dass er in den 21 Tagen vor dem Abflug nicht im Kongo war; Zwischenlandungen zählen mit, selbst wenn man im Flugzeug sitzen bleibt. Die Erklärung ersetzt ein Einreiseverbot, das zunächst Ausländer und ab Juli auch US-Bürger betraf, die im Kongo gewesen waren. Die CDC schätzt das Risiko für die amerikanische Bevölkerung weiterhin als gering ein.</p>
<p>Die Fluggesellschaften müssen die Erklärung einsammeln, Passagieren ohne Unterschrift das Boarding verweigern und die Formulare 42 Tage aufbewahren. Der Verband Airlines for America nannte die Anordnung in einem Brief an die CDC laut <a href="https://www.techtimes.com/articles/329911/20261102/cdc-ebola-attestation-takes-effect-tonight-130-million-passengers-25000-risk.htm">Tech Times</a> «übermässig streng, kostspielig und belastend für Amerikaner und die US-Luftfahrtindustrie»: 2025 seien rund 130 Millionen Passagiere aus dem Ausland eingereist, weniger als 25'000 davon mit dokumentiertem Kongo-Bezug. Der Weltverband IATA verlangte einen chirurgischeren Ansatz und eine Verschiebung des Starttermins. Die Anordnung läuft bis zum 18. Dezember, falls sie nicht verlängert wird.</p>
<h2>Die Schweiz behandelt ihre dritte Ebola-Patientin</h2>
<p>Auch die Schweiz ist betroffen. Am 26. Oktober flog die Rega eine mit dem Bundibugyo-Virus infizierte Schweizerin und ihren Ehemann von Abuja nach Zürich. Die Frau, nach Angaben der nigerianischen Seuchenbehörde die 42-jährige Ehefrau eines Schweizer Botschaftsangestellten, wird am Universitätsspital Genf behandelt; der Ehemann ist als enge Kontaktperson am Universitätsspital Zürich isoliert. Das Bundesamt für Gesundheit schreibt: <a href="https://www.bag.admin.ch/de/newnsb/hKpTLMT8HgXi">«Für die Schweizer Bevölkerung besteht dadurch keine Gefährdung.»</a> Seit 2019 sind HUG und USZ die beiden Referenzspitäler des Landes für solche Fälle. Laut SRF ist es erst der dritte in der Schweiz behandelte Ebola-Fall nach 1995 und 2014. Das europäische Seuchenzentrum ECDC schätzt die Ansteckungswahrscheinlichkeit für Menschen in Europa als <a href="https://www.ecdc.europa.eu/en/news-events/who-declares-ebola-outbreak-democratic-republic-congo-and-uganda-public-health">sehr gering</a> ein.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Die Schweiz zeigt, wie man mit Ebola umgeht: zwei vorbereitete Spitäler, eine Evakuation ohne Aufregung, klare Information. Washington dagegen lässt 130 Millionen Passagiere ein Formular unterschreiben, um weniger als 25'000 Reisende zu erfassen, von denen die allermeisten gesund sind. Das ist Papierbürokratie, die Fluggesellschaften und Reisende bezahlen, und sie ersetzt keinen Impfstoff. Wirksam sind Kontrollen an der Quelle, Isolationskapazität und eine Impfstoffentwicklung, die den Bundibugyo-Stamm nicht zwei Jahrzehnte lang ignoriert. Wer Seuchen stoppen will, braucht funktionierende Institutionen vor Ort, keine Unterschriften am Gate.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 03 Nov 2026 11:48:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>MSCI will Indonesien aus den Schwellenländern werfen</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-11-02-msci-will-indonesien-aus-den-schwellenlaendern-werfen.html</link>
      <description>Der Indexanbieter schlägt vor, Indonesien zum Standalone Market herabzustufen, eine Stufe unter Frontier. Grund sind undurchsichtige Besitzverhältnisse und mutmassliche Kursmanipulation; die Börse in Jakarta verlor in zwei Tagen fast 15 Prozent.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Indexanbieter MSCI hat am 15. Oktober eine <a href="https://www.msci.com/downloads/documents/press-releases/media-room/Indonesia_PR_Oct_26.pdf">Konsultation</a> eröffnet, die Indonesien aus dem Schwellenländer-Universum werfen soll. Vorgeschlagen ist nicht die Herabstufung zum Frontier Market, mit der viele gerechnet hatten, sondern der Status eines Standalone Market, einer Kategorie ausserhalb sowohl der Schwellenländer- als auch der Frontier-Indizes. Rückmeldungen von Marktteilnehmern deuteten darauf hin, schreibt MSCI, dass eine Einstufung als Frontier Market das Ausmass der Probleme nicht angemessen abbilden würde.</p>
<p>Im Podcast «Tichys Börsenwecker» griff Moderator Philipp Mattheis das Thema in zwei Folgen auf. Indonesien habe «gerade erfahren, wie mächtig ein Indexanbieter sein kann», sagte er am 2. November. Gründe seien undurchsichtige Eigentümerstrukturen und Zweifel daran, wie viele Aktien tatsächlich frei handelbar seien.</p>
<h2>Was MSCI bemängelt</h2>
<p>Die Begründung des Indexanbieters ist deutlich. Schon in der Marktklassifizierung vom Juni hatten Investoren laut MSCI eine anhaltende Intransparenz bei den Aktionärsstrukturen und mutmasslich koordinierten Handel bemängelt. Jakarta kündigte darauf Reformen an: Offenlegung von Aktionären ab 1 Prozent Beteiligung, ein Meldesystem für stark konzentrierten Aktienbesitz (High Shareholding Concentration) und einen Fahrplan zu einem Mindest-Streubesitz von 15 Prozent. Doch nach Angaben von MSCI sehen die Marktteilnehmer bisher keine ausreichenden Fortschritte, es fehle insbesondere an Belegen für eine wirksame Durchsetzung. MSCI will an der Herabstufung festhalten, sofern die Konsultation keine klaren Verbesserungen zeigt. Rückmeldungen sind bis zum 30. April 2027 möglich, der Entscheid fällt spätestens am 30. Juni 2027. Seit Januar hat MSCI zudem indonesische Titel eingefroren: keine Gewichtserhöhungen, keine Neuaufnahmen.</p>
<p>In Indonesien hat das Phänomen einen Namen: <em>goreng-goreng saham</em>, Aktien frittieren. Gemeint ist laut <a href="https://malaymail.com/news/money/2026/02/02/gorenggoreng-saham-and-state-meddling-leave-indonesia-trailing-in-emerging-market-rally-after-us80b-wipeout/207779">Reuters</a> Handel zwischen verbundenen Parteien, der die Kurse in die Höhe treibt. Wo ein Grossteil der Aktien in der Hand weniger Familien oder verbundener Gesellschaften liegt, ist der ausgewiesene Börsenwert wenig wert, weil kaum ein Aussenstehender zu diesem Preis kaufen oder verkaufen kann. Titel mit stark konzentriertem Besitz machen nach Angaben von Börsenchef Jeffrey Hendrik rund 18 Prozent der Gewichtung des Leitindex aus, wie <a href="https://www.thestar.com.my/business/business-news/2026/10/21/idx-ramps-up-msci-response-as-market-rebounds">Bloomberg</a> berichtete.</p>
<h2>Der Ausverkauf</h2>
<p>Die Reaktion war heftig. Der Jakarta Composite Index fiel am 16. Oktober um 11,6 Prozent und gab am folgenden Montag weiter nach. Über die zwei Tage summierte sich der Verlust laut <a href="https://www.thejakartapost.com/business/2026/10/20/indonesian-markets-inch-up-after-authorities-move-to-stem-rout-on-msci-expulsion-fears">Reuters</a> auf 14,8 Prozent oder rund 82 Milliarden Dollar, ein Rekord. Seit Jahresbeginn liegt der Markt rund 40 Prozent im Minus. Goldman Sachs schätzt, dass ein vollständiger Ausschluss passive Abflüsse von 5,6 Milliarden Dollar auslösen könnte; aktive Fonds, die sich an den MSCI-Indizes messen, halten laut <a href="https://www.thejakartapost.com/business/2026/10/19/indonesian-stocks-slide-to-six-year-low-as-msci-standalone-warning-weighs">Reuters</a> mehr als 8 Milliarden Dollar.</p>
<p>Mattheis erklärte im Börsenwecker vom 31. Oktober den Mechanismus: Wer einen Schwellenländer-ETF kaufe, kaufe automatisch alles, was unter diesem Etikett laufe. «Und wenn dann eine Abstufung kommt, dann müssen quasi diese Fonds automatisch ihre Positionen liquidieren.» In derselben Sendung sprach er allerdings von einer bereits erfolgten Abstufung; tatsächlich handelt es sich bisher um einen Vorschlag.</p>
<h2>Jakartas Antwort</h2>
<p>Die Behörden reagierten mit Notmassnahmen und Reformversprechen. Die Börse halbierte die tägliche Verlustgrenze für Einzelaktien von 15 auf 7 Prozent und kündigte an, Titel mit stark konzentriertem Besitz aus der Indexberechnung zu nehmen. Die Finanzaufsicht OJK verhängte gegen Beteiligte an mutmasslicher Kursmanipulation in drei Titeln Bussen von insgesamt 2,1 Billionen Rupiah, rund 116 Millionen Dollar. Zudem dürfen Unternehmen bis Juni 2027 ohne Aktionärsbeschluss eigene Aktien zurückkaufen; der zuständige OJK-Direktor Hasan Fawzi mahnte laut <a href="https://www.thestar.com.my/business/business-news/2026/10/26/indonesia-extends-share-buyback-policy-until-june-2027-amid-market-volatility">Bernama</a>, dabei dürfe der Mindest-Streubesitz nicht unterlaufen werden. Der Index erholte sich in der Woche bis zum 23. Oktober um 4,9 Prozent auf 5439 Punkte.</p>
<p>Präsident Prabowo Subianto schlug einen anderen Ton an. Vor seinem Kabinett warf er MSCI am 21. Oktober laut <a href="https://www.thejakartapost.com/business/2026/10/21/prabowo-accuses-msci-of-trying-to-intimidate-indonesia-after-market-rout">Reuters</a> vor, Indonesien einschüchtern zu wollen; das Land fürchte niemanden. MSCI hielt fest, seine Entscheide folgten transparenten, regelbasierten Methoden.</p>
<p>Mattheis zog im Börsenwecker den grösseren Bogen: In vielen kleineren Märkten seien Minderheitsaktionäre schlechter geschützt, Unternehmen würden vom Staat oder einzelnen Familien kontrolliert, Informationen seien schwer zu bekommen. Aus ähnlichen Gründen treffe es nun Indonesien. In der Sendung vom 31. Oktober nannte er Indonesien zugleich den billigsten Markt Südostasiens, der für geduldige Anleger am Zyklustief stehen könnte.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>MSCI ist nicht der Gegner Indonesiens, sondern der Bote. Der Indexanbieter gibt weiter, was Anleger weltweit seit Monaten sagen: Wer nicht sicher weiss, wem ein Unternehmen gehört, wie viele Aktien wirklich handelbar sind und ob Kurse gemacht oder gebildet werden, investiert nicht. Das ist keine Einschüchterung, das ist Eigentumsschutz in seiner einfachsten Form. Prabowos Trotz ändert daran nichts; Bussen, ein durchgesetzter Streubesitz von 15 Prozent und eine Aufsicht, die sich auch an mächtige Familien wagt, ändern es. Bis Ende April 2027 hat Jakarta Zeit, Taten zu zeigen.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 02 Nov 2026 07:53:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>CrowdStrike: China-nahe Hacker greifen mit KI-Agenten über 200 Organisationen an</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-11-01-crowdstrike-china-nahe-hacker-greifen-mit-ki-agenten-ueber-2.html</link>
      <description>Die Gruppe VAPOR PANDA hat laut CrowdStrike innert elf Tagen Ministerien, Telekomfirmen und Pharmakonzerne ins Visier genommen, gesteuert von KI-Agenten auf Basis von DeepSeek. Neun Einbrüche sind bestätigt.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine chinesische Hackergruppe hat innert elf Tagen mehr als 200 Organisationen weltweit angegriffen und dabei weitgehend auf autonome KI-Agenten gesetzt. Das berichtet das US-Sicherheitsunternehmen CrowdStrike in einem am 29. Oktober veröffentlichten <a href="https://www.crowdstrike.com/en-us/blog/vapor-panda-uses-artex-to-scale-global-campaign/">Bericht seines Teams für Counter Adversary Operations</a>. CrowdStrike ordnet die Kampagne der Gruppe VAPOR PANDA zu, einem Akteur mit China-Bezug, den das Unternehmen seit 2021 verfolgt. Der Bericht spricht von einer «Eskalation» im Einsatz von KI-Agenten durch China-nahe Angreifer.</p>
<h2>Was CrowdStrike beobachtet hat</h2>
<p>Die Kampagne begann laut CrowdStrike am 17. Oktober 2026. Ein einzelnes Steuerungssystem des KI-Frameworks ARTEX richtete sich in den folgenden elf Tagen gegen mehr als 200 Organisationen in mindestens 14 Ländern. Bei neun Organisationen bestätigte CrowdStrike ein tatsächliches Eindringen mit anschliessender Aktivität im Netz, bei mindestens zwölf weiteren gab es Versuche, Zugangsdaten zu erraten oder abzugreifen, darunter bei US-Denkfabriken und europäischen Regierungsstellen. Die Zahl 200 bezeichnet also Ziele, nicht erfolgreiche Einbrüche.</p>
<p>Kompromittiert wurden laut dem Bericht unter anderem Telekommunikationsanbieter in den USA, Belgien und auf den Philippinen, ein Innenministerium im Nahen Osten und Aussenministerien in Lateinamerika. Im Visier standen zudem Präsidialamt, Regierungschef und mehrere Ministerien eines europäischen Landes sowie, wie <a href="https://securityboulevard.com/2026/10/chinese-hackers-use-deepeesk-ai/">Security Boulevard</a> zusammenfasst, 19 US-Organisationen aus Pharma, Halbleitern, Kernenergie, Finanzen und Verteidigung. Bei Regierungsstellen in Lateinamerika und im Nahen Osten installierten die Angreifer die bekannte Hintertür BLOODALCHEMY.</p>
<h2>Agenten mit menschlichem Dirigenten</h2>
<p>Technisch neu ist die Arbeitsweise. ARTEX, ein quelloffenes Agenten-Framework, lässt einen Hauptagenten untergeordnete Planungs- und Ausführungsagenten koordinieren, die ihre Erkenntnisse in einer gemeinsamen Datenbasis ablegen. Als Sprachmodell diente laut CrowdStrike in erster Linie das chinesische Modell DeepSeek, ergänzt durch ein zweites, kommerzielles Abo-Modell, das CrowdStrike nicht identifizieren konnte. Allein in einem Einbruch verbrauchten die Planungsagenten rund 1,4 Milliarden Eingabe-Tokens. Ein Vorwurf an den Hersteller von DeepSeek ist damit nicht verbunden; der Bericht behandelt das Modell als Werkzeug der Angreifer.</p>
<p>Ganz ohne Menschen lief die Operation nicht. Ein Bediener gab den Agenten Anweisungen auf Chinesisch, etwa Webshells zu schreiben, Passwörter von Domänenadministratoren zu extrahieren oder Rechner ohne den CrowdStrike-Sensor «Falcon» aufzuspüren. Er führte mehrere Angriffe parallel und griff vor allem an Entscheidungspunkten ein. Für VAPOR PANDA sei es der erste beobachtete Einsatz KI-gestützter Angriffswerkzeuge, schreibt CrowdStrike. Dieselbe Software wurde bereits von anderen Forschern unter der Bezeichnung Storm-0940 einem weiteren Akteur zugeordnet, was darauf hindeutet, dass mehrere China-nahe Gruppen das Werkzeug übernehmen.</p>
<h2>Was der Podcast sagt</h2>
<p>Im amerikanischen Nachrichtenpodcast «Evening Wire» von The Daily Wire vom 30. Oktober (im Feed von «Morning Wire») wurde die Meldung als «massive» KI-gestützte Hackeroperation mit Verbindungen zur chinesischen Regierung vorgestellt. Die Sendung zitierte einen Vizepräsidenten von CrowdStrike, der gegenüber NBC News gesagt habe: «Es ist das erste Mal, dass wir sie KI oder agentische Fähigkeiten in grossem Massstab einsetzen sehen.» Dies sei ein Trend, der sich fortsetzen werde. Der Name des Managers wurde nicht genannt, und der Wortlaut liess sich nicht überprüfen, da der <a href="https://www.nbcnews.com/tech/security/china-linked-hackers-used-ai-target-200-organizations-crowdstrike-says-rcna606343">NBC-Artikel</a> hinter einer Bezahlschranke liegt. Inhaltlich deckt er sich mit dem Bericht, der es für sehr wahrscheinlich hält, dass China-nahe Angreifer in den nächsten zwölf Monaten weiter auf Agenten-Frameworks setzen.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Der Fall zeigt, wie stark KI die Kosten eines Angriffs senkt: Was früher ganze Teams beschäftigte, steuert nun ein einzelner Bediener. Für Unternehmen und Behörden heisst das, dass die Grundhygiene, also das Wechseln kompromittierter Schlüssel, das Schliessen bekannter Lücken und lückenlose Überwachung aller Rechner, wichtiger wird als jede neue Regulierung. Zu beachten ist auch, dass die Angaben von einem Sicherheitsanbieter stammen, der seine eigenen Produkte verkauft; unabhängige Bestätigungen der Zuordnung zu China fehlen bisher. Dass staatsnahe Akteure aus China Ministerien, Telekomnetze und Hochtechnologie ins Visier nehmen, passt jedoch zu dem, was westliche Dienste seit Jahren dokumentieren.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 01 Nov 2026 07:05:05 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title>Tech-Ausverkauf an der Wall Street: Anleger stellen die Rechnung für die KI-Milliarden</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-10-31-tech-ausverkauf-an-der-wall-street-anleger-stellen-die-rechn.html</link>
      <description>Alphabet erlebt den schwersten Kurstag seiner Geschichte, Intel den schlechtesten seit 1974, und Meta holt sich 37,5 Milliarden Dollar bei Aktionären. Der Nasdaq fiel am Freitag um fast 3 Prozent.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Berichtssaison der grossen Technologiekonzerne hat der Wall Street die schwächste Woche seit Monaten beschert. Am Freitag, 30. Oktober, schloss der Nasdaq Composite laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/stocks/articles/nasdaq-futures-sink-amazon-intel-114737736.html">Yahoo Finance</a> 2,86 Prozent tiefer bei 25'437 Punkten, der grösste Tagesverlust seit Juni. Der S&amp;P 500 fiel um 1,82 Prozent auf 7580 Punkte, der Dow Jones um 1,09 Prozent auf 51'770 Punkte. Der Halbleiterindex verlor an einem einzigen Tag 7,2 Prozent. Alle Kursangaben in diesem Artikel beziehen sich auf den Börsenschluss in New York vom 30. Oktober 2026.</p>
<h2>Alphabet: Das Suchgeschäft enttäuscht</h2>
<p>Am Donnerstag verlor die Google-Mutter Alphabet laut <a href="https://www.stocktitan.net/articles/stock-market-today-live-october-29-2026">StockTitan</a> 12,6 Prozent, den grössten Tagesverlust ihrer Geschichte. Rund 475 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/article/alphabet-heads-for-a-500-billion-drop-in-market-value-the-biggest-in-its-history-134824763.html">Yahoo Finance</a> auf. Der Umsatz mit der Suche stieg zwar um 12 Prozent auf rund 63 Milliarden Dollar, erwartet hatten Analysten aber etwa 65 Milliarden. Das Cloud-Geschäft verdoppelte sich mehr als, doch der freie Cashflow drehte wegen der KI-Investitionen auf minus rund 9 Milliarden Dollar. Jeffrey Wlodarczak von Pivotal Research meinte, die Pessimisten würden darin das erste Quartal sehen, in dem KI dem Suchgeschäft ernsthaft schade. Angelo Zino von CFRA hielt den Rückschlag dagegen für eine mögliche Kaufgelegenheit. Auch gute Zahlen von Microsoft, dessen Cloud-Geschäft Azure um 48 Prozent wuchs, hielten den Markt nicht: Der S&amp;P 500 gab am Donnerstag 0,3 Prozent nach, der Nasdaq 1,4 Prozent.</p>
<h2>Intel und Amazon: Die Rechnung kommt nachbörslich</h2>
<p>Nach Börsenschluss am Donnerstag folgten Intel und Amazon. Intel übertraf zwar die Erwartungen für das dritte Quartal (Umsatz 16,5 Milliarden Dollar), stellte für das vierte Quartal aber nur 15 bis 16 Milliarden in Aussicht. Analysten hatten laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/live/stock-market-today-thursday-october-29-dow-sp-500-nasdaq-alphabet-microsoft-earnings-130305714.html">Yahoo Finance</a> mit rund 17 Milliarden gerechnet. Intel begründete das mit einem stärker als erwarteten Rückgang im PC-Geschäft, nach dem Ende des Supports für Windows 10 und bei steigenden PC-Preisen. Am Freitag schloss die Aktie 28,6 Prozent tiefer bei 65,76 Dollar, laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/stocks/articles/stock-market-today-oct-30-212002526.html">Yahoo Finance</a> der schlechteste Tag seit 1974. AMD verlor 10,9 Prozent, Nvidia 4,2 Prozent.</p>
<p>Amazon steigerte den Umsatz um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft AWS wuchs um 39 Prozent. Den Ausschlag gab jedoch das Geld: Über zwölf Monate flossen 42,4 Milliarden Dollar mehr ab als zu, ein Jahr zuvor war es noch ein Zufluss von 14,8 Milliarden. Gleichzeitig hält Amazon an KI-Investitionen von 220 Milliarden Dollar für 2026 fest. Nachbörslich fiel die Aktie zeitweise um 10 Prozent, am Freitag schloss sie nur noch 1,4 Prozent tiefer.</p>
<h2>Meta finanziert die KI mit neuen Aktien</h2>
<p>Wie teuer das Wettrüsten ist, zeigte Meta. Der Facebook-Konzern platzierte am 26. Oktober 40 Millionen neue Aktien zu je 625 Dollar, also 25 Milliarden, aufgestockt von geplanten 22,5 Milliarden. Dazu kamen laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/stocks/articles/meta-25-billion-stock-sale-110657604.html">Yahoo Finance</a> 12,5 Milliarden Dollar in Pflichtwandel-Vorzugsaktien. Ab 2027 will Meta über ein Programm von bis zu 60 Milliarden Dollar laufend stimmrechtslose Aktien verkaufen; das ist eine Absicht, noch keine Vereinbarung. Der Grund: Im letzten Quartal gab Meta fast 34 Milliarden Dollar für Bauten und Ausrüstung aus und erwirtschaftete knapp 33 Milliarden, der freie Cashflow war erstmals seit 2012 negativ.</p>
<h2>Was die Podcasts sagen</h2>
<p>Im «Börsenwecker» von Tichys Einblick fasste Moderator Philipp Mattheis den Donnerstag am Freitagmorgen knapp zusammen: «Der ganze Tech-Sektor wurde gestern verprügelt.» Alphabets Schwäche erklärte er damit, dass im Internet weniger gegoogelt und öfter KI-Anbieter wie ChatGPT gefragt würden. Bei Intel sah er teure Speicherchips als Ursache, die Computer verteuerten und den Absatz drückten. Sein Intel-Minus von 20 Prozent entsprach dem nachbörslichen Stand, nicht dem späteren Schlusskurs.</p>
<p>In «Weltwoche Daily» sprach der Investor Leonhard Fischer, der 2023 in den Verwaltungsrat der Weltwoche Verlags AG gewählt wurde, von einer Achterbahnwoche. Er verwies auf die Meta-Platzierung und sagte, der Konzern wolle insgesamt 100 Milliarden aufnehmen. Belegt sind 37,5 Milliarden plus das geplante 60-Milliarden-Programm. Intel sei am Nachmittag um 26 Prozent gefallen. Fischer kritisierte gegenseitige Finanzierungsgeschäfte unter KI-Firmen, die er mit einem Kettenbrief verglich, und Gründer, die sich über Stimmrechtskonstruktionen dauerhaft die Kontrolle sichern, etwa beim Börsengang von Anthropic, dessen Prospekt am 26. Oktober öffentlich wurde. Sein Fazit: In der Branche stecke auch eine Menge heisse Luft.</p>
<p>Beide Sendungen sehen die KI-Ausgaben als Kern des Problems. Mattheis argumentierte von den einzelnen Geschäftsmodellen her, Fischer von der Finanzierung und der Unternehmensführung der ganzen Branche.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Was die Woche zeigt, ist kein Versagen des Marktes, sondern sein Funktionieren: Anleger fragen, wer die Hunderte Milliarden für Rechenzentren bezahlt und wann sie sich auszahlen, und bestrafen Firmen, deren Cashflow ins Minus kippt. Meta finanziert sich bereits über neue Aktien, also mit dem Geld der Aktionäre. Wer über Indexfonds spart, trägt dieses Risiko mit, weil wenige Tech-Konzerne die grossen Indizes dominieren. Fischers Kritik an Strukturen, die Gründer unabhängig von ihrem Kapitalanteil absichern, trifft einen wunden Punkt: Wer das Geld gibt, sollte auch mitreden können. Ob die Korrektur eine Übertreibung bereinigt oder erst beginnt, weiss heute niemand.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 31 Oct 2026 15:23:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Brasilien: Lula gewinnt Stichwahl, Märkte brechen ein – die Sorge gilt den Staatsfinanzen</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-10-31-brasilien-lula-gewinnt-stichwahl-gegen-fl-vio-bolsonaro-maer.html</link>
      <description>Luiz Inácio Lula da Silva holt mit 51,79 Prozent eine vierte Amtszeit, nachdem seine Regierung im Wahlkampf die Sozialhilfe aufgestockt hat. Herausforderer Flávio Bolsonaro anerkennt das Resultat nicht, die Börse reagiert mit dem stärksten Einbruch seit der Pandemie.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Luiz Inácio Lula da Silva bleibt Präsident Brasiliens. In der Stichwahl vom 25. Oktober erhielt der Amtsinhaber von der Arbeiterpartei PT laut dem Obersten Wahlgericht TSE 64 256 232 Stimmen oder 51,79 Prozent der gültigen Stimmen. Senator Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei (PL), Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, kam auf 48,21 Prozent (<a href="https://www.thepinknews.com/2026/10/26/brazil-election-result-2026/">PinkNews</a>). Der Abstand beträgt knapp 4,4 Millionen Stimmen.</p>
<p>Der Sieg kam überraschend. Im ersten Wahlgang vom 4. Oktober hatte Bolsonaro mit 47,03 Prozent vor Lula mit 45,16 Prozent gelegen; auf der Prognoseplattform Polymarket galt er am Vortag der Stichwahl mit 82 Prozent als klarer Favorit, wie <a href="https://decrypt.co/381828/brazil-stock-market-crashes-lula-upset-victory">Decrypt</a> berichtet. Lula tritt damit seine vierte, nicht zusammenhängende Amtszeit an.</p>
<h2>Die Märkte stimmen anders ab</h2>
<p>Am Montag nach der Wahl fiel der Börsenindex Ibovespa zeitweise um 17 Prozent auf rund 170 000 Punkte; die Börse B3 setzte den Handel nach einem Minus von 10 Prozent für 30 Minuten aus, erstmals seit der Corona-Pandemie. Der in New York gehandelte Brasilien-Indexfonds EWZ verlor zeitweise 26 Prozent, der Dollar stieg gegenüber dem Real um bis zu 12 Prozent (Decrypt). Nach dem ersten Wahlgang hatte der Ibovespa noch 7,85 Prozent zugelegt, weil die Märkte auf einen Machtwechsel und eine strengere Haushaltspolitik setzten.</p>
<p>Die Sorge gilt den Staatsfinanzen. Die Bruttoverschuldung des Gesamtstaats erreichte im August 82,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts, den höchsten Wert seit März 2021; das nominale Defizit über zwölf Monate lag bei 9,48 Prozent, wie die <a href="https://riotimesonline.com/brazil-august-primary-deficit-gross-debt-829-gdp-2026">Rio Times</a> gestützt auf Zahlen der Zentralbank meldet. Treiber sind vor allem die Zinskosten.</p>
<h2>Wahlgeschenke auf Staatskosten</h2>
<p>Im Wahlkampf erhöhte die Regierung die Sozialhilfe Bolsa Família um 15 Prozent; die Zahlungen kamen in der Wahlwoche bei fast 50 Millionen Menschen an. Dazu kamen ein vorläufiger Verzicht auf Bundessteuern auf Benzin, ein Vorstoss für Gratis-Nahverkehr am Wochenende und ein Entschuldungsprogramm (<a href="https://www.lanacion.com.ar/usa/brazils-lula-opens-state-toolbox-to-woo-voters-in-runoff-against-bolsonaro-heres-what-is-on-offer-nid23102026/">La Nación</a>). Zehn Tage vor der Stichwahl beschloss das Parlament zudem die Senkung der Wochenarbeitszeit von 44 auf 40 Stunden ohne Lohnkürzung; auch Bolsonaro unterstützte das am Ende. Wirtschaftsvertreter warnen, kürzere Arbeitszeiten ohne Produktivitätsgewinne verteuerten die Arbeit.</p>
<h2>Bolsonaro anerkennt das Resultat nicht</h2>
<p>Flávio Bolsonaro erklärte noch am Wahlabend, er anerkenne das Ergebnis nicht und werde die Annullierung der Wahl beantragen, obwohl er im August versprochen hatte, das Resultat zu respektieren. Er stösst sich an einem Entscheid von Bundesrichter Cristiano Zanin, der auf Antrag von Lulas Lager die Öffnungszeiten der Wahllokale bis 19 Uhr verlängert hatte. Seine eigene Kampagne hatte laut Decrypt allerdings für Teile dreier Bundesstaaten ebenfalls mehr Zeit beantragt. Sein Vater verbüsst seit 2025 eine Haftstrafe von 27 Jahren und drei Monaten, zu der ihn das Oberste Gericht wegen eines Putschversuchs verurteilt hatte.</p>
<h2>Ein Präsident ohne Mehrheit</h2>
<p>Regieren wird Lula gegen einen gestärkten Kongress. Im ersten Wahlgang wurde die PL mit 121 der 513 Sitze stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus und stellt ab 2027 mit 28 von 81 Senatoren auch die grösste Fraktion im Senat; das PT-Bündnis kommt auf 88 Abgeordnete (<a href="https://www.correiodamanha.com.br/politica/2026/10/324418-mapa-do-poder-pl-domina-congresso-e-amplia-presenca-nos-estados-apos-primeiro-turno.html">Correio da Manhã</a>).</p>
<h2>Was die Podcasts sagen</h2>
<p>Bei «Kontrafunk aktuell» erklärte Südamerika-Korrespondent Alex Baur den Sieg mit Lulas Ausgabenpaket: Bolsa Família, Gratis-Transport, Treibstoffsubventionen, höherer Mindestlohn und die 40-Stunden-Woche, die eigentlich ein Entscheid des Parlaments gewesen sei. Bolsonaro habe dagegen eine wirtschaftsliberale Sparpolitik angeboten, die offenbar nicht populär sei. Baur nannte Kurseinbrüche von bis zu 27 Prozent in New York; belegt sind zeitweise rund 26 Prozent beim EWZ. Eingriffe des Obersten Gerichts in den Wahlprozess kritisierte er, glaubt aber nicht, dass diese die Wahl entschieden hätten.</p>
<p>In «Roger gegen Markus» auf Radio 1 wertete Roger Schawinski das Resultat als Niederlage für die Rechte und für die Lateinamerika-Politik von Donald Trump und Marco Rubio. Markus Somm entgegnete, die Rechte habe im Parlament stark zugelegt, Lula werde nicht mehr wie bisher regieren können. Er halte Lula für unfähig, Brasilien hätte ein Machtwechsel gutgetan. Schawinski hielt dagegen, Flávio Bolsonaros Hauptziel sei gewesen, seinen Vater aus dem Gefängnis zu holen. Einig waren sich beide Sendungen, dass Lula geschwächt in die neue Amtszeit geht.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Lula hat gewonnen, und das Resultat gilt: Auch Baur sieht in den Gerichtsentscheiden nicht den Grund für Bolsonaros Niederlage, und wer längere Öffnungszeiten selbst beantragt hat, kann sie nicht nachträglich zum Grund für eine Annullierung machen. Gewonnen hat Lula aber mit Geld, das Brasilien nicht hat. Bei einem Defizit von 9,48 Prozent und einer Schuldenquote von 82,9 Prozent hat seine Regierung die Sozialhilfe auf die Wahlwoche hin erhöht und Steuern ausgesetzt; das ist auf Kredit gekaufte Zustimmung. Die Quittung kam am Tag danach mit dem Börseneinbruch und dem schwachen Real, bezahlen werden sie Sparer und Steuerzahler. Somm hat recht, dass dem Land ein Machtwechsel gutgetan hätte; nun muss der von der Opposition geprägte Kongress die Ausgabenbremse sein, die sich Lula selbst nicht auferlegt.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 31 Oct 2026 12:06:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Israel nach der Wahl: Patt mit 53 zu 48 Sitzen – wer darf mitregieren?</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-10-31-israel-nach-der-wahl-patt-mit-53-zu-48-sitzen.html</link>
      <description>Weder Benjamin Netanjahu noch Herausforderer Gadi Eisenkot hat eine Mehrheit in der Knesset. Die arabischen Parteien halten so viele Sitze wie nie; ob sie regieren helfen, hängt an Eisenkots Mindestbedingungen an jeden Partner.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Israel hat am 27. Oktober eine neue Knesset gewählt, und das Ergebnis lässt keine Seite allein regieren. Nach den Resultaten der Zentralen Wahlkommission kommt der Block um Premierminister Benjamin Netanjahu auf 53 der 120 Sitze, wie <a href="https://www.nbcnews.com/world/israel/israels-final-election-results-show-neither-netanyahu-rival-can-immedi-rcna606290">NBC News</a> und <a href="https://www.cnbc.com/2026/10/30/israel-election-netanyahu-eisenkot-coalition-talks-.html">CNBC</a> berichten. 2022 waren es noch 64. Das Oppositionslager um den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot erreicht 48 Sitze. Für eine Mehrheit braucht es 61.</p>
<h2>Die Zahlen</h2>
<p>Stärkste Partei bleibt laut <a href="https://www.jpost.com/israel-election-2026/2026-10-29/live-updates-913178">Jerusalem Post</a> Netanjahus Likud mit 27 Sitzen, vor Eisenkots Partei Yashar mit 21 und Naftali Bennetts Liste B'Yachad mit 12. Zum Oppositionsblock gehören laut <a href="https://www.timesofisrael.com/to-become-pm-eisenkot-and-netanyahu-may-need-to-break-key-promises/">Times of Israel</a> ausserdem Avigdor Liebermans Yisrael Beytenu mit sieben Sitzen und Yair Golans Demokraten. Die ultraorthodoxen Parteien Shas und Vereinigtes Torah-Judentum halten zusammen 13 Sitze. Die Stimmbeteiligung lag bei 77,7 Prozent, 7,1 Prozentpunkte höher als 2022.</p>
<p>Entscheidend sind die 19 Sitze der arabisch geführten Parteien: elf für die Joint List, acht für Ra'am, so viele wie noch nie. Rechnerisch käme Eisenkot mit ihnen auf 67 Sitze. Politisch ist das schwierig: Yashar, B'Yachad und Yisrael Beytenu haben im Wahlkampf versprochen, keine Regierung mit den arabischen Parteien zu bilden. Lieberman will eine Koalition nur aus zionistischen Parteien. Einzig Golan wirbt offen für eine Zusammenarbeit.</p>
<h2>Eisenkots Bedingungen</h2>
<p>Eisenkot hat für eine Zusammenarbeit Bedingungen formuliert. Gemäss Times of Israel gehören dazu das Bekenntnis zu Israel als jüdischem und demokratischem Staat und zu den Werten der Unabhängigkeitserklärung, ein obligatorischer Militär- oder Zivildienst sowie die Anerkennung der Hamas als Terrororganisation, die zerschlagen werden müsse. Ende September sagte er im Fernsehsender Channel 12, die arabischen Parteien erfüllten diese Bedingungen nicht. Die Joint List erklärte sich zur politischen Zusammenarbeit bereit, um Netanjahus Regierung zu stürzen.</p>
<p>Netanjahu hat seinerseits wenig Spielraum. Seine Partner Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich schliessen eine Zusammenarbeit mit Ra'am aus. Eisenkot, Bennett und Lieberman haben erklärt, nicht unter Netanjahu zu dienen. Der Likud sprach von ausländischer Einflussnahme auf die Wahl, ohne Belege vorzulegen. Die Wahlkommission bat den Inlandgeheimdienst Shin Bet, Hinweise auf Finanzierung aus dem Ausland zu prüfen; Katar wies die Vorwürfe zurück.</p>
<h2>Wie es weitergeht</h2>
<p>Die neue Knesset wird am 10. November vereidigt. Präsident Isaac Herzog hört die Parteien an und beauftragt jenen Politiker mit der Regierungsbildung, dem er die besten Chancen gibt. Dafür stehen 28 Tage zur Verfügung, verlängerbar um 14. Scheitern die Gespräche, kommt es zu Neuwahlen, und Netanjahu bleibt bis dahin geschäftsführend im Amt. Das Patt verschafft damit ausgerechnet dem Amtsinhaber Zeit.</p>
<h2>Was die Podcasts sagen</h2>
<p>In «Roger gegen Markus» auf Radio 1, aufgezeichnet am Vortag der Wahl, nannte Roger Schawinski Netanjahu eine Gefahr für die Demokratie, wegen der Einschränkung des Obersten Gerichts, der Koalition mit Ben-Gvir und Smotrich und der fehlenden unabhängigen Untersuchung zum 7. Oktober. Markus Somm zeigte sich hin- und hergerissen: Innenpolitisch fände er einen Machtwechsel gut, aussenpolitisch könne Netanjahu mit Donald Trump gegen Iran mehr erreichen. Beide hoben hervor, dass israelische Araber über die Regierungsbildung mitentscheiden könnten.</p>
<p>In «Bern einfach» vom Nebelspalter, nach der Wahl, sahen Somm und Dominik Feusi die arabischen Parteien als Zünglein an der Waage. Somm betonte Eisenkots Bedingungen, die in westlichen Medien kaum vorkämen; der Vergleich mit Tessinern in der Schweizer Regierung sei falsch. Die Dienstpflicht nannte er dabei nicht. Die Moderatoren verwiesen auch darauf, dass im Westjordanland seit 2005 nicht mehr gewählt worden sei. Das trifft zu: Mahmud Abbas wurde im Januar 2005 zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde gewählt, das letzte Parlament 2006. In der Sendung hiess es weiter, die Regierungsbildung könne rund 200 Tage dauern und ende wohl mit Neuwahlen. Diese Dauer geht über die Frist für den ersten Auftrag deutlich hinaus und liess sich so nicht bestätigen.</p>
<p>Einig sind sich beide Sendungen, dass das Wahlresultat die Stärke der israelischen Demokratie zeigt. Uneinig sind sie bei Netanjahu: Schawinski sieht in ihm die Gefahr, Somm wägt Innen- gegen Aussenpolitik ab.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Eine Beteiligung von 77,7 Prozent und ein Ergebnis, das den Block des Amtsinhabers elf Sitze kostet, sprechen für eine lebendige Demokratie. Dass der Likud ohne Belege von ausländischer Einflussnahme spricht, beschädigt dagegen das Vertrauen in die Wahl; richtig ist, dass die Wahlkommission den Verdacht prüfen lässt. Eisenkots Bedingungen, das Bekenntnis zum jüdischen und demokratischen Staat, ein Militär- oder Zivildienst und die Anerkennung der Hamas als Terrororganisation, sind keine Schikane, sondern Mindestanforderungen an jeden Regierungspartner. Eine Koalition braucht ein gemeinsames Verständnis des Staates, nicht bloss einen gemeinsamen Gegner; die Bereitschaft der Joint List, Netanjahu zu stürzen, reicht dafür nicht. Wer 19 Sitze dauerhaft ausschliesst, zahlt allerdings einen Preis: Er verlängert das Patt und mit ihm die geschäftsführende Regierung, die er ablösen will.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 31 Oct 2026 12:06:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Rekord-Hack bei Binance: 6,3 Milliarden Dollar weg, die Börse will den Schaden selbst tragen</title>
      <link>https://dailydispatch.ch/articles/2026-10-30-rekord-hack-bei-binance-milliarden-abgeflossen-stablecoin-he.html</link>
      <description>Bei der weltgrössten Kryptobörse sind nach Firmenangaben rund 6,3 Milliarden Dollar abgeflossen – mehr als viermal so viel wie beim bisherigen Rekord-Hack. Binance verspricht, alle Verluste zu decken; Tether und Circle sperrten einen Teil der Beute, Bitcoin fiel deutlich.</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die weltgrösste Kryptobörse Binance ist Opfer des bislang grössten Diebstahls in der Geschichte der Kryptowährungen geworden. Am Donnerstagabend flossen innert Minuten Milliardenbeträge aus Wallets der Börse ab. Binance beziffert den Schaden laut <a href="https://www.blick.ch/wirtschaft/binance-hack-bitcoin-faellt-milliarden-eingefroren/cp8xxv4">Blick</a> inzwischen auf rund 6,3 Milliarden Dollar. Im «Börsenwecker» von Tichys Einblick eröffnete Moderator Philipp Mattheis die Sendung vom Freitag ausnahmsweise mit Krypto statt mit Aktien – und nannte damals noch eine Spanne von 3 bis 6 Milliarden Dollar.</p>
<h2>Was bisher bekannt ist</h2>
<p>Laut On-Chain-Daten, die <a href="https://decrypt.co/382191/binance-suspected-hack-5-billion-tether-circle-freeze-crypto">Decrypt</a> ausgewertet hat, begann der Abfluss um 20.24 Uhr UTC. Eine einzige Transaktion verschob 167'464 Ether sowie 63 weitere Token-Transfers, darunter 1,615 Milliarden Tether (USDT), auf eine neue Adresse. Rund drei Minuten zuvor hatte eine über den Mixer Tornado Cash finanzierte Adresse eine sogenannte EIP-7702-Delegation für eine Binance-Hot-Wallet eingereicht. Insgesamt zählte Decrypt mindestens 5,57 Milliarden Dollar auf Ethereum, Bitcoin und Tron, davon rund 18'270 Bitcoin.</p>
<p>Als Einfallstor nennt Binance nach ersten Erkenntnissen den kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs. Über einen internen Dienst hätten die Angreifer unautorisierte Auszahlungen ausgelöst; Hinweise auf gestohlene private Schlüssel gebe es nicht, berichtet Blick. Co-CEO Richard Teng sprach laut <a href="https://finance.yahoo.com/markets/article/bitcoin-drops-to-76000-as-binance-hack-spooks-investors-tether-circle-freeze-assets-083406383.html">Yahoo Finance</a> von einem komplexen Angriff, der nicht von einer Einzelperson ausgeführt worden sei. Die Analysefirmen TRM Labs und Elliptic bringen den Diebstahl mit nordkoreanischen Hackern in Verbindung; TRM ordnet ihn der Gruppe TraderTraitor zu, die auch hinter dem Bybit-Hack vom Februar 2025 stehen soll. Mit damals rund 1,5 Milliarden Dollar galt jener Fall bisher als Rekord.</p>
<h2>Wer den Schaden trägt</h2>
<p>Binance hat alle Ein- und Auszahlungen gestoppt. Teng versprach laut Yahoo Finance, sämtliche Verluste zu decken, aus dem Notfallfonds SAFU und aus Firmenmitteln. Co-CEO Yi He stellte die Wiederaufnahme der Auszahlungen bis Sonntag in Aussicht. Nach Abschluss der Untersuchung will die Börse einen aktualisierten Reservenachweis und einen technischen Bericht veröffentlichen. Gründer Changpeng Zhao, der Binance nicht mehr führt, schrieb auf X, es sehe tatsächlich nach einem Hack aus; die Gelder der Nutzer seien sicher.</p>
<p>Auch Mattheis hielt die Zahlungsfähigkeit der Börse nicht für das Hauptproblem: Binance verfüge über einen Sicherheitsfonds und gewaltige Cash-Reserven. Ähnlich äusserte sich laut Yahoo Finance Sean Farrell von Fundstrat, der kein Solvenzereignis sieht. Für Bitcoin und Krypto allgemein sei ein solcher Vorfall aber «überhaupt nicht gut», sagte Mattheis. Hacks bei Börsen und Wallets hätten sich zuletzt gehäuft; dieses Jahr seien insgesamt 8 Milliarden Dollar gestohlen worden. Überprüfen liess sich diese Jahreszahl nicht. Seine Angabe, Binance komme auf einen Marktanteil von fast 40 Prozent, liess sich ebenfalls nicht unabhängig bestätigen.</p>
<h2>Eingefroren – aber nur, was sich einfrieren lässt</h2>
<p>Ein Teil der Beute ist blockiert. Tether-Chef Paolo Ardoino zufolge wurden mehr als 1,567 Milliarden USDT eingefroren, Circle-Chef Jeremy Allaire meldete über 800 Millionen USDC, gesperrt in Abstimmung mit Strafverfolgungsbehörden. Laut Blick fror auch Ripple rund 200 Millionen Dollar ein. Binance selbst sprach zunächst von rund 3 Milliarden, später von 2,54 Milliarden Dollar, die nachweislich gesperrt seien. Elliptic schätzt, dass die Angreifer weiterhin über mehr als 3 Milliarden Dollar verfügen, die kein Herausgeber direkt sperren kann. Der Täter tauschte gestohlene Stablecoins über dezentrale Börsen wie Uniswap rasch in Ether.</p>
<p>Dass Tether und Circle Guthaben per Knopfdruck einfrieren können, hat hier Milliarden gerettet. Dieselbe Fähigkeit bedeutet aber, dass private Herausgeber, auf Druck von Behörden oder aus eigenem Ermessen, über die Verfügbarkeit fremder Gelder entscheiden.</p>
<h2>Marktreaktion</h2>
<p>Bitcoin fiel in der Nacht auf Freitag um rund 5 Prozent auf etwa 76'600 Dollar, Ether um 4 Prozent auf rund 2200 Dollar. Der Binance-Token BNB verlor zeitweise rund 7 Prozent. Laut Blick wurden innerhalb einer Stunde gehebelte Wetten auf steigende Kurse im Umfang von 627 Millionen Dollar zwangsaufgelöst. An der Wall Street gaben Aktien von Circle, Coinbase, Robinhood und Strategy zwischen 8 und 14 Prozent nach. Kreditplattformen wie Aave und Kamino schränkten Märkte ein.</p>
<p>Mattheis erwartete einen turbulenten Börsentag, zumal der Hack mit schwachen Tech-Zahlen zusammenfiel: Alphabet hatte am Vortag nach enttäuschenden Ergebnissen im Suchgeschäft deutlich verloren.</p>
<h2>Klartext</h2>
<p>Bemerkenswert ist, wer die Rechnung bezahlt: Binance will den Schaden aus dem eigenen Notfallfonds und aus Firmenmitteln decken. So soll Haftung in einem freien Markt funktionieren: Wer fremdes Geld verwahrt, steht für den Verlust gerade, und die Börse wird sich an diesem Versprechen und am angekündigten Reservenachweis messen lassen müssen. Der Fall zeigt aber auch, dass wer Kryptowährungen bei einer zentralen Börse lagert, das Risiko eines Unternehmens trägt, bis hin zum Laptop eines einzelnen Ingenieurs. Und er legt einen Zielkonflikt offen: Gerettet haben viel Geld ausgerechnet zentrale Herausgeber, die Guthaben nach eigenem Ermessen sperren können. Wer Kryptowährungen als staatsfernes Geld schätzt, sollte beides ernst nehmen, die Eigenverantwortung für die Verwahrung und die Macht, die bei den Stablecoin-Herausgebern liegt.</p>]]></content:encoded>
      <guid isPermaLink="false">https://dailydispatch.ch/articles/2026-10-30-rekord-hack-bei-binance-milliarden-abgeflossen-stablecoin-he.html</guid>
      <pubDate>Fri, 30 Oct 2026 16:53:57 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
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