Krawallnacht im Kreis 4: Mehrere hundert Vermummte, zwei Festnahmen, und die Stadt verteidigt ihre Polizei
Ein brennender Tesla, demolierte Scheiben, Angriffe auf eine Patrouille im Notfalleinsatz: Die Halloween-Nacht an der Langstrasse endete mit zwei Verhafteten durch die Kantonspolizei. Weltwoche und Nebelspalter werfen dem rot-grünen Stadtrat vor, die Polizei an der kurzen Leine zu halten.
Mehrere hundert Personen, viele vermummt oder in Halloween-Kostümen, versammelten sich am Samstagabend gegen 22.30 Uhr auf der Piazza Cella an der Zürcher Langstrasse und mischten sich unter das Partyvolk. Das schreibt die Stadtpolizei Zürich in ihrer Medienmitteilung. In den sozialen Medien war zuvor zu Protesten aufgerufen worden, mit Verweis auf die Jugendunruhen in Frankreich. Gegen 23 Uhr zog die Menge Richtung Helvetiaplatz, an der Lang- und Stauffacherstrasse brannten die ersten Container.
Danach verteilten sich Gruppen über den Kreis 4, zündeten Container, E-Bikes und E-Trottinetts an und setzten an der Zwinglistrasse ein Auto in Brand, einen Tesla. Scheiben der VBZ-Haltestelle Stauffacher und von Geschäften am Helvetiaplatz gingen zu Bruch, laut Tsüri auch jene einer Coop-Filiale an der Molkestrasse. Die Polizei wurde mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen angegriffen und antwortete mit Wasserwerfern, Reizgas und Gummischrot. Kurz nach Mitternacht griff ein Mob an der Brauerstrasse eine Patrouille an, die wegen eines medizinischen Notfalls ausgerückt war. Die Beamten mussten sich zurückziehen, bevor sie einem Teenager mit schweren Beinverletzungen helfen konnten. Gegen 1.30 Uhr beruhigte sich die Lage. Die Schadenssumme ist laut Stadtpolizei noch nicht bezifferbar, die Ermittlungen laufen.
Zwei Festnahmen, 18 Wegweisungen
Festnahmen meldet die Stadtpolizei in ihrer Mitteilung keine. Die Kantonspolizei Zürich, die das städtische Korps unterstützte, verhaftete laut blue News und SRF zwei Schweizer im Alter von 19 und 21 Jahren, die auf einer Baustelle mutmasslich Wurfgeschosse sammelten und Quarzsandhandschuhe sowie Vermummungsmaterial bei sich trugen. Dazu kamen 18 Wegweisungen. Ein Polizist kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital und konnte es wieder verlassen.
Zur Demonstration aufgerufen hatten laut Tsüri die Revolutionäre Jugend Zürich und der Instagram-Account «antifa_zuerich». Die NZZ titelte: «Krawalle mit Ansage, aber kaum Verhaftungen». Auch in Basel zogen laut SRF rund 150 Personen unbewilligt vom Claraplatz ins St.-Johann-Quartier, errichteten Barrikaden und zündeten sie an; nach dem Eingreifen der Polizei flüchteten sie in den St.-Johanns-Park.
Wer zahlt, bleibt offen. Die vom Zürcher Stimmvolk im März 2024 angenommene Kostenüberwälzung auf Krawallanten, der Gegenvorschlag zur Anti-Chaoten-Initiative, ist laut Tsüri seit dem 1. Januar 2026 in Kraft, kann aber wegen eines Rekurses der Demokratischen Juristinnen und Juristen beim Bundesgericht nicht angewendet werden.
Stadtrat verteidigt das Korps, Bürgerliche fordern Rechenschaft
Der Stadtrat verurteilte die Ausschreitungen. Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) verteidigte ihr Korps; eine unbewilligte Kundgebung im Voraus zu unterbinden, sei schlicht nicht möglich, und sie fordere seit Jahren mehr Personal. Das Budget 2027 sieht 17 neue Polizeistellen vor. Auch SP und Grüne verurteilten die Gewalt.
Im Kantonsrat wurde die Stadt am Montag scharf angegangen, wie Nau berichtet. SVP-Fraktionschef Tobias Weidmann will prüfen lassen, ob die Kantonspolizei die Stadtpolizei übernehmen soll, und sagte: «Wer unsere Polizei angreift und unsere Strassen verwüstet, muss festgenommen werden.» FDP-Kantonsrat Claudio Zihlmann warf der Stadtregierung vor, illegale Besetzungen zu dulden, und forderte: «Der Rechtsstaat muss sich durchsetzen, bei Angriffen auf die Polizei gibt es keine Grauzone oder Relativierungen».
Was die Podcasts sagen
In «Weltwoche Daily» sprach Roger Köppel von purem Nihilismus: «Das ist die reine nihilistische Zerstörungsmanie, die sich da ausgetobt hat.» Die Stadtpolizei habe «kaum jemanden festgenommen». Eine frühere Polizistin habe ihm gesagt, es fehle nicht an Polizisten, sondern die rot-grünen Behörden stoppten die Polizei und verböten ihr einzuschreiten. Diese Darstellung lässt sich nicht überprüfen; der Stadtrat weist die Kritik an der Einsatzführung zurück. Anders als in Frankreich und Deutschland, wo Köppel hinter den Protesten auch ernsthafte Motive sieht, habe Zürich «nichts von dem» gezeigt.
Markus Somm und Dominik Feusi nannten die Nacht in «Bern einfach» einen Saubannerzug Linksextremer, den die rot-grüne Stadtregierung durchtoleriert habe: Bern habe bei einer Demo kürzlich sofort eingekesselt und kontrolliert, in Zürich fehle der politische Wille, man sehe in den Krawallanten wohl Kollegen. Somm sagte, die Parole gegen eine «Remilitarisierung» sei absurd, da die Armee kaum finanziert werde; es handle sich um junge Männer mit viel Testosteron, deren «toxische Männlichkeit» bei der Juso kein Thema sei.
In «Roger gegen Markus» forderte Somm sofortige hohe Bussen und Strafen, damit auch die Eltern am Zürichberg wütend würden; Plünderungen kämen sofort, wenn die Polizei nicht hinschaue. Roger Schawinski hielt dagegen, die Polizei habe trotz Grossaufgebot die angekündigten Ausschreitungen nicht verhindern können, und sah den Anfang einer weltweiten Bewegung von Jugendlichen ohne Zukunftsperspektive. Somm widersprach: In der Schweiz sei das eine Nachäffung ohne echte Gründe.
Klartext
Wer Tage im Voraus ankündigt, Scheiben einzuschlagen, und dann mehrere hundert Vermummte durch den Kreis 4 ziehen lässt, hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Durchsetzungsproblem. Zwei Festnahmen bei mehreren hundert Randalierern, ein verletzter Jugendlicher, dem die Polizei nicht helfen durfte, und eine Kostenüberwälzung, die das Stimmvolk beschlossen hat und die Juristen vor dem Bundesgericht blockieren: Das ist die Bilanz einer Stadt, die ihre eigene Polizei nicht gewinnen lässt. Rykart braucht nicht nur 17 neue Stellen, sondern den Auftrag, Krawalle zu beenden statt zu begleiten. Eigentum, das brennt, gehört Bürgern, Ladenbesitzern und Steuerzahlern. Sie zahlen die Rechnung, solange die Täter davonlaufen dürfen.
«Das ist die reine nihilistische Zerstörungsmanie, die sich da ausgetobt hat.»
– Roger Köppel, «Weltwoche Daily»
«Wer unsere Polizei angreift und unsere Strassen verwüstet, muss festgenommen werden.»
– Tobias Weidmann, SVP-Fraktionschef im Zürcher Kantonsrat (laut Nau)