Nach den Supermärkten das Blut: Hacker manipulieren Kühlräume des französischen Blutspendedienstes
An drei Standorten des EFS drehten Angreifer die Temperaturschwellen hoch; ein Techniker bemerkte es in der Nacht, das Plasma blieb unversehrt. Es ist die dritte Welle gegen vernetzte Kühlanlagen in Europa innerhalb eines Monats.
Die Angriffe auf vernetzte Kühlanlagen in Europa haben die Blutversorgung erreicht. Hacker haben die Steuerung von Kühlräumen an drei regionalen Standorten des staatlichen französischen Blutspendedienstes EFS manipuliert. Das bestätigte der Dienst laut Franceinfo am Dienstag, nachdem die Satirezeitung Le Canard enchaîné den Vorfall publik gemacht hatte; passiert war er am Montag, dem 2. November, dem Tag, an dem auch Supermärkte in mehreren europäischen Ländern manipulierte Kühlungen meldeten.
Die Angreifer setzten laut Franceinfo die Temperatur- und Abtauschwellen der Anlagen auf sehr hohe Werte. In den Kühlräumen lagerten Plasmabeutel für Transfusionen sowie Plasma für die Herstellung von Medikamenten. Die unabhängigen Überwachungs- und Alarmsysteme schlugen rasch an; laut Mesinfos bemerkte ein Techniker im Bereitschaftsdienst in der Nacht den anormalen Temperaturanstieg. Die betroffenen Geräte wurden unter Kontrolle gebracht oder abgeschaltet, die Blutprodukte vorsorglich in andere Anlagen verlegt. Der EFS erklärte, der Vorfall sei rasch beherrscht worden und ohne Auswirkungen auf Produkte und Proben geblieben; das Kabinett von Gesundheitsministerin Stéphanie Rist sprach von null operativen Folgen, kündigte aber an, die technischen Untersuchungen liefen weiter. Der Dienst arbeitet mit der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI zusammen.
Ein Dienstleister, ein fremdes Bauteil
Betroffen war nicht die IT des EFS selbst, sondern die Fernsteuerung der Kühltechnik eines externen Dienstleisters. Le Canard enchaîné nannte die Firma Coolworld; sie erklärte laut Franceinfo, eine Schwachstelle in einer Komponente eines Drittlieferanten sei ausgenutzt worden, nur eine begrenzte Zahl von Geräten sei betroffen gewesen, den EFS nannte sie nicht. Wer hinter dem Angriff steckt, ist unbekannt.
Das Muster ist dasselbe wie bei den Supermärkten. Im Oktober hatten Hacker in Frankreich die vernetzten Kühltruhen von rund 150 Intermarché- und 80 Carrefour-Filialen über Nacht auf bis zu 50 Grad aufgeheizt; die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, der Hersteller Danfoss sprach von einer begrenzten Zahl meist älterer Steuergeräte mit veralteter Software. Am 2. November folgte eine zweite Welle in Schweden und Belgien, wo rund 20 Anlagen betroffen waren. Der «TE Wecker» von Tichys Einblick berichtete zudem von Fällen in Irland und Deutschland, darunter ein Edeka-Markt und eine Metzgerei in Bayern, wo tonnenweise Lebensmittel entsorgt werden mussten; diese Angaben liessen sich bis Redaktionsschluss nicht unabhängig bestätigen.
Was der Podcast sagt
Der «TE Wecker» ordnete den Angriff unter dem Titel «Eiskalte Sabotage» als Eskalation ein: Nach dem Supermarkt nun das Blut, die kritische Infrastruktur stehe im Fadenkreuz. Die Sendung übernahm die Darstellung des französischen Gesundheitsministeriums, wonach die Blutkonserven unbeschädigt blieben, die Lage unter Kontrolle sei und weiter überwacht werde, und betonte, dass die Täter unbekannt seien.
Klartext
Dass ein Techniker in der Nacht hinschaute, hat Frankreichs Plasmavorräte gerettet, nicht die Technik. Wer Kühlräume für Blutprodukte an einen Dienstleister vergibt, dessen Steuergeräte mit fremden Bauteilen am Netz hängen, trägt die Verantwortung dafür selbst; das gilt für Spitäler wie für Supermarktketten. Die Lehre ist nicht ein weiteres EU-Regelwerk, sondern Handwerk: veraltete Steuerungen vom Internet trennen, Alarmketten testen, Lieferanten in die Pflicht nehmen. Und der Staat hat eine Aufgabe, die nur er erfüllen kann: herausfinden, wer dahintersteckt, und ihn zur Rechenschaft ziehen. Dreimal in einem Monat ist kein Zufall mehr.