Drei Flugzeugträger, «zehn Minuten» und ein Ölpreis bei 117 Dollar: Was nach den Midterms am Golf droht
Washington zieht Träger und Marines vor Iran zusammen, ein Senator nennt den Kriegsplan wahnsinnig, Trump spricht von «ein oder zwei Anlagen». Der Ölmarkt hat den Preis für eine Eskalation schon einmal vorgerechnet.
Am Tag der US-Zwischenwahlen schaut der Ölmarkt auf den Persischen Golf: Die US-Marine schickt mit der USS Theodore Roosevelt einen weiteren Flugzeugträger in die Region, der Kongress ist über einen Kriegsplan unterrichtet, Brent erreichte im Oktober ein Sechsmonatshoch. Drei bürgerliche Podcasts stellten dieselbe Frage: Schlägt Trump nach der Wahl zu, und was kostet das?
Der Aufmarsch
Die Theodore Roosevelt verliess San Diego laut Task & Purpose am 27. September als fünfter von elf Trägern, die seit Kriegsbeginn am 28. Februar für Iran-Operationen abgestellt wurden. Derzeit stehen die USS George Washington und die USS George H.W. Bush in der Region und stützen die Blockade iranischer Häfen, in deren Rahmen das US-Zentralkommando bis zum 31. Oktober 144 Handelsschiffe umgeleitet hat (Fox News). Ein US-Beamter sagte Al Jazeera, bis Ende November würden drei Flugzeugträger und zwei amphibische Landungsgruppen um Iran positioniert sein. Ob die Roosevelt die George Washington ablöst oder alle drei gleichzeitig operieren, ist offen; die Angabe aus «Krall und Bubeck», es sei die erste Dreier-Präsenz seit 2003, liess sich nicht bestätigen.
Laut AP forderten US-Beamte die Verbündeten im Nahen Osten vertraulich auf, sich auf neue Schläge und iranische Vergeltung vorzubereiten; Irans Militär drohte US-Basen und Energieanlagen in Saudi-Arabien, Bahrain und den Emiraten.
«Wahnsinnig» gegen «zehn Minuten»
Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut schrieb am 29. Oktober auf X, Trump plane Berichten zufolge, den Krieg nach der Wahl wieder aufzunehmen; einige Senatoren seien über den Kriegsplan unterrichtet worden, und dieser Plan sei «wahnsinnig». Er werde die Ziele nicht erreichen und einen neuen Eskalationszyklus auslösen. Am Middle East Institute ergänzte Murphy laut The New Republic, es gebe offene Berichte über zivile Infrastruktur als mögliche Ziele. Murphy ist ein Gegner der Regierung; Einzelheiten nannte er nicht.
Trump gab an seiner Halloween-Party in Mar-a-Lago am 31. Oktober die Gegenposition: Es blieben «ein oder zwei Anlagen», darunter der Bunkerkomplex Pickaxe Mountain, und: «Das können wir in zehn Minuten machen.» Zugleich wolle er einen Deal (Jerusalem Post, Fox News). Aussenminister Marco Rubio erklärte am selben Tag, der Präsident habe noch keinen Entscheid getroffen und ziehe eine diplomatische Lösung vor.
Minen, Blockade und der Preis des Öls
Der Markt hat die Eskalation bereits einmal bepreist. Am 30. Oktober schloss der auslaufende Dezember-Kontrakt für Brent laut Kotak Neo bei 117,64 Dollar nach einem Tageshoch von 118 Dollar; der liquidere Januar-Kontrakt lag bei 113,43 Dollar. Im Oktober legte Brent 13,6 Prozent zu. Auslöser waren Zwischenfälle in der Strasse von Hormus: Die Revolutionsgarden meldeten drei Tanker, die vor Oman Minen getroffen hätten, die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO ein Kleinboot, das Sprengsätze an einem Tanker anbrachte. Das US-Zentralkommando erklärte die Haupttransitrouten für minenfrei, die Garden verlangten Beweise (CNBC).
Seit Montag läuft es in die andere Richtung. Iran und Katar verhandeln seit Tagen; Präsident Massud Peseschkian deutete an, Revolutionsführer Mojtaba Chamenei habe Friedensgespräche autorisiert, Aussenminister Abbas Araghtschi sprach von einem Zwei-Tage-Plan zur Wiedereröffnung der Meerenge. Brent fiel am 2. November um rund sechs Prozent auf 106,65 Dollar (Oil & Gas 360), zeitweise um 7,7 Prozent. Teheran macht die Öffnung der Strasse vom Ende der US-Seeblockade abhängig.
Was die Podcasts sagen
In «Krall und Bubeck» sieht Christian Bubeck die Zeichen auf Sturm: «Ich bin mir schon persönlich sehr sicher, dass es da nochmal richtig knallen wird.» Markus Krall deutet den Krieg als Kampf um den Petrodollar: Der Dollar bleibe nur Leitwährung, wenn alle grossen Ölproduzenten in Dollar abrechneten, Iran sei das letzte fehlende Glied. Das ist eine These, keine belegte Tatsache. Krall warnt vor den Meerwasserentsalzungsanlagen und Pipelines der Golfstaaten als Achillesfersen: «Das Potenzial einer humanitären Katastrophe ist gigantisch». Einen Weltkrieg erwartet er nicht. Bubecks Behauptung, Satellitenbilder zeigten die bombardierten Atomanlagen wieder in Betrieb, liess sich nicht überprüfen.
Philipp Matthäus rechnet im «Börsenwecker» von Tichys Einblick nüchterner: Ein neuer Angriff mit iranischer Vergeltung gegen Ölanlagen am Golf könne Brent Richtung 150 Dollar treiben, zumal die Reserven weitgehend aufgebraucht seien; ein Verhandlungsfrieden senke Ölpreis, Inflation und Zinsen. Den Montagsrückgang gab er mit knapp zehn Prozent an, die Marktdaten zeigen sechs bis knapp acht.
Im «TE Wecker» fasste US-Korrespondentin Suse Heger ein Trump-Interview zusammen: Die USA warteten ab, hätten im Notfall das beste Militär und wollten das Regime, nicht die Menschen treffen; die Ölimporte seien fast wieder auf dem alten Stand.
Klartext
Der Ölpreis ist die ehrlichste Steuer dieses Krieges: Jeden Dollar, den die Angst vor einem neuen Schlag auf Brent legt, zahlen Autofahrer, Spediteure und Industriebetriebe in Europa, nicht die Planer in Washington. Trumps Worte von «ein oder zwei Anlagen» sind das Eingeständnis, dass die Schläge vom Frühjahr das Problem nicht erledigt haben. Wer drei Flugzeugträger aufbietet, muss sagen, welches Ergebnis die nächste Runde bringt, das die erste nicht gebracht hat. Ein Deal, der die Strasse von Hormus öffnet, ist der Bombenlösung vorzuziehen, aus Eigeninteresse des Westens. Europa hat sich mit seiner Energiepolitik selbst zur Geisel jeder Meerenge gemacht.
«Das Potenzial einer humanitären Katastrophe ist gigantisch»
– Markus Krall, «Krall und Bubeck»