Mittwoch, 4. November 2026

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Trumps Gesundheit: Was die Ärzte attestieren und was Podcaster vermuten

Trump ist 80, und die Fragen nach seiner Verfassung werden lauter. Die offiziellen Befunde erklären ihn für amtsfähig, lassen aber Lücken; in zwei Podcasts reicht das Urteil von Fokusverlust bis zur Laien-Ferndiagnose.

Vor den Zwischenwahlen vom 3. November geht es in Amerika nicht nur um Preise, Zölle und den Iran-Krieg, sondern auch um den Präsidenten selbst. Donald Trump ist im Juni 80 Jahre alt geworden. Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 war er 78 und damit der älteste Mensch, der je das Amt antrat. Den Rekord für das höchste Alter im Amt hält allerdings weiterhin Joe Biden, der das Weisse Haus mit 82 verliess (Reuters via The Star). Zwei deutschsprachige Podcasts haben diese Woche über Trumps Alter, seine Verfassung und seine Persönlichkeit gesprochen. Was ist belegt, und was ist Vermutung?

Was die Ärzte schriftlich festhalten

Die offiziellen Angaben stammen vom Arzt des Weissen Hauses, Sean Barbabella. Nach der jüngsten Untersuchung im Walter-Reed-Militärspital, der dritten in 13 Monaten, erklärte er Trump Ende Mai für uneingeschränkt amtsfähig, wie NBC News berichtete. Im kognitiven Test erreichte Trump 30 von 30 Punkten; Herzfunktion und Gerinnungswerte waren laut dem Bericht normal. Die Blutergüsse an seiner Hand führte der Arzt auf häufiges Händeschütteln und die Einnahme von Aspirin zurück.

Bereits im Juli 2025 hatte das Weisse Haus eine chronische Veneninsuffizienz bekanntgemacht, die Schwellungen an den Beinen verursacht. Laut Barbabellas Schreiben handelt es sich um ein gutartiges und häufiges Leiden, besonders bei Menschen über 70; Hinweise auf Blutgerinnsel oder Arterienerkrankungen fand er nicht (CBS News). Eine MRI-Untersuchung im Oktober 2025 bezeichnete er später als vorsorglich und ihr Ergebnis als völlig normal (AP). Die AP wies darauf hin, dass solche Herz- und Bauch-MRI nicht zu den üblichen Vorsorgeempfehlungen gehören.

Offene Fragen bleiben: Der Bericht vom Mai nannte die Aspirin-Dosis nicht, und auf die Szenen, in denen Trump bei öffentlichen Anlässen mit geschlossenen Augen zu sehen war, ging er laut NBC nicht ein. Nach einem solchen Moment im Oval Office am 11. Mai liess das Weisse Haus auf X ausrichten, der Präsident habe bloss geblinzelt (Newsweek).

Was die Wähler denken

Die Öffentlichkeit ist skeptischer als der Leibarzt. In einer Umfrage von Reuters/Ipsos vom Februar sagten 61 Prozent, Trump sei mit dem Alter unberechenbar geworden, darunter 30 Prozent der Republikaner. Nur 45 Prozent hielten ihn für geistig wach und belastbar, gegenüber 54 Prozent im September 2023. Ein Sprecher des Weissen Hauses sprach von falschen und verzweifelten Narrativen.

Was die Podcasts sagen

Im Podcast «Cicero Politik» fragte Chefredaktor Alexander Marguier den Amerika-Experten Josef Braml direkt nach Trumps geistigem und körperlichem Zustand. Marguier verwies auf jüngste Videoaufnahmen, die Trump scheinbar orientierungslos an der offenen Tür seiner Dienstlimousine zeigten; welche Aufnahme gemeint war, liess sich nicht klären. Braml, Autor des Buchs «Die narzisstische Nation», deutet Trumps Verhalten vor allem psychologisch: «Also Trump ist ein Obernarzisst», sagte er, umgeben von Gefolgsleuten, die fehlende Kompetenz mit Loyalität ausglichen. «Also da gibt es kein Korrektiv mehr.» Auf Nachfrage sagte Braml, er habe die Vermutung, dass sich bei Trump Anflüge von Demenz zeigten, betonte aber, er sei kein Arzt, es handle sich um eine Laienmeinung. Eine medizinische Grundlage für diese Ferndiagnose gibt es nicht; die offiziellen Befunde sagen das Gegenteil.

Braml richtete den Blick auch auf die Medien: Diese schauten bei Trump genau hin, hätten Bidens Schwäche aber lange nicht sehen wollen. Den Demokraten warf er vor, Bidens Zustand verheimlicht zu haben; «die Glaubwürdigkeit ist auf beiden Seiten weg». Bramls Behauptung, Biden habe an fortgeschrittener Demenz gelitten, ist ebenfalls eine unbelegte Einschätzung.

Nüchterner klang es im Nebelspalter-Podcast «Bern einfach». Markus Somm sagte, Trump habe den Fokus verloren; innenpolitisch wisse man kaum noch, was er tue, und das Hin und Her bei den Iran-Verhandlungen sei peinlich. Peter Hossli, Leiter der Ringier-Journalistenschule, sprach von einer Trump-Müdigkeit: Die Masche, mit extremen Aussagen alle in Aufregung zu versetzen, funktioniere nicht mehr. Seit Beginn des Iran-Kriegs habe Trump kaum noch Fokus. Er sei ein 80-jähriger Mann, nicht mehr so agil und witzig wie früher. Hossli sagte zudem, Trump sei der älteste Präsident, den die USA je im Amt gehabt hätten; das trifft auf den Amtsantritt zu, nicht auf das Alter im Amt, wo Biden vorne liegt. Somm stimmte zu und sah in den tiefen Zustimmungswerten ein Abbild von Trumps Leistung.

Beide Sendungen sehen einen Präsidenten, der an Kraft verliert. Braml erklärt das mit Persönlichkeit und vermutet mehr; Somm und Hossli bleiben bei dem, was man öffentlich sehen kann: Leistung, Fokus und Wirkung auf die Wähler.

Klartext

Das Alter eines Staatschefs ist eine legitime Frage, und wer bei Biden zu lange weggeschaut hat, sollte bei Trump nicht wegschauen. Gerade deshalb gehört die Debatte auf die Grundlage von Fakten: Die schriftlichen Befunde des Weissen Hauses attestieren Trump Amtsfähigkeit, sie lassen aber Fragen offen, etwa zum Zweck des MRI oder zu den Schläfrigkeitsmomenten. Ferndiagnosen von Politologen ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Die bessere Antwort wäre mehr Transparenz: vollständige, überprüfbare Gesundheitsberichte für jeden Präsidenten, unabhängig von der Partei. Am Dienstag urteilen die Wähler ohnehin über etwas Messbareres, die Bilanz der Regierung.

«Also da gibt es kein Korrektiv mehr.»

– Josef Braml, im Podcast «Cicero Politik»