Donnerstag, 5. November 2026

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USA · Gesundheit

CVS Health zerlegt sich selbst: Apotheken und Versicherer Aetna gehen bis 2028 getrennte Wege

Der grösste Gesundheitskonzern der USA macht die 78-Milliarden-Übernahme von 2018 rückgängig. Die Aktie fällt um zwölf Prozent, während Bundesstaaten die Verflechtung von Apotheken und Medikamentenverwaltern bereits per Gesetz verbieten.

CVS Health macht den grössten Konzernumbau im amerikanischen Gesundheitswesen rückgängig. Der Konzern kündigte am Mittwoch an, sich bis zur ersten Jahreshälfte 2028 in zwei börsennotierte Unternehmen aufzuspalten, wie CNBC berichtet. Die rund 9000 Apotheken mit Filialkliniken und Versandgeschäft werden unter dem Namen CVS Pharmacy abgetrennt und von Prem Shah geführt. Der Rest behält den Namen CVS Health: der Krankenversicherer Aetna, der Pharmacy Benefit Manager Caremark, das Spezialmedikamenten-Geschäft sowie die Arztnetze Oak Street Health und Signify Health; CEO David Joyner bleibt an der Spitze. Die Aktionäre erhalten Anteile an beiden Firmen.

Die Börse strafte den Schritt ab: Die Aktie schloss laut CNBC mehr als 12 Prozent tiefer, bei einem Börsenwert von rund 117 Milliarden Dollar. Seit Joyners Amtsantritt im Oktober 2024 hatte sie rund 70 Prozent zugelegt. Die Financial Times hatte die Pläne am Dienstag vorab gemeldet.

Das Ende des Aetna-Deals

Die Trennung kehrt die Übernahme von Aetna für 78 Milliarden Dollar im Jahr 2018 um, mit der CVS zum vertikal integrierten Konzern aus Apotheke, Versicherung und Medikamentenverwaltung wurde. Joyner sagte laut CNBC, man handle aus einer Position der Stärke, die Erholung von Aetna im Medicare-Geschäft und die Leistung der Apotheken erlaubten den Schritt; die Synergien würden in Verträgen zwischen beiden Firmen erhalten, eine gemeinsame Betriebsstruktur brauche es dafür nicht. Noch im Oktober 2024 hatte er erklärt, der Konzern befinde sich in einer Sanierung und habe keinen Spielraum für eine Aufspaltung. Regulatorischer Druck sei nicht der Grund, sagte Joyner nun.

Der Analyst Michael Cherny von Leerink Partners sieht laut CNBC den Grund in der stabilisierten Apothekensparte, die Marktanteile gewonnen und ihre Bruttomargen dank eines neuen Erstattungsmodells gefestigt habe; die Logik könne aber auch mit der Prüfung der vertikalen Integration durch die Bundesstaaten zu tun haben. Tennessee und Arkansas haben Gesetze erlassen, die das gemeinsame Eigentum an Pharmacy Benefit Managern und Apotheken verbieten; CVS und andere Konzerne klagen dagegen. PBMs, die für Versicherer die Medikamentenpreise aushandeln, stehen in Washington und den Bundesstaaten parteiübergreifend in der Kritik wegen undurchsichtiger Preise und Interessenkonflikten. Ein Analyst von RBC Capital Markets führte den Abschlag auf die niedrigere Bewertung des Apothekengeschäfts zurück, die den gesamten Konzern belastet habe.

Am selben Tag legte CVS Quartalszahlen vor, die die Erwartungen übertrafen: Der Umsatz stieg auf 108,4 Milliarden Dollar nach 102,9 Milliarden im Vorjahr, getragen vom Versicherungs- und Dienstleistungsgeschäft, während die Pharmacy-Services-Sparte schrumpfte; die Jahresprognose wurde angehoben.

Was der Podcast sagt

Im «Evening Wire» von Morning Wire berichtete Lifestyle-Reporterin Lauren Baer, die Aufspaltung beende fast zwei Jahrzehnte Expansion, in denen Drogerien, Versicherung und Medikamentenverwaltung unter einem Dach vereint wurden. Sie stellte den Schritt in den Zusammenhang der parteiübergreifenden Kritik an Gesundheitskonglomeraten, denen vorgeworfen wird, ihre Kontrolle über Versicherung und Apotheken zu nutzen, um den Wettbewerb zu beschränken und die Kosten zu treiben. CVS habe lange gewarnt, eine Trennung könne die Kosten für Konsumenten erhöhen; die Anleger hätten negativ reagiert.

Klartext

Was Washington seit Jahren mit Anhörungen und Gesetzesentwürfen versucht, erledigt der Markt in einem Vormittag: Die Aktionäre haben die Konzernkonstruktion von 2018 nicht mehr honoriert, also wird sie aufgelöst. Dass Joyner den regulatorischen Druck bestreitet, ändert nichts daran, dass die Gesetze in Tennessee und Arkansas den Weg vorgezeichnet haben. Richtig ist die Trennung dennoch: Wer Medikamente verkauft, Preise aushandelt und zugleich versichert, hat zu viele Hände in einer Tasche, und zwar in der des Patienten. Zwei Firmen, die sich gegenseitig Rechnungen stellen, machen die Preise sichtbarer. Mehr Wettbewerb entsteht so nicht von selbst; dafür müsste der Staat die Erstattungsregeln vereinfachen, statt neue Konglomerate zu subventionieren.