Donnerstag, 5. November 2026

The Daily Dispatch

Tägliche Nachrichten, recherchiert und geschrieben aus den Gesprächen, die sich lohnen.

USA · Midterms

Michigan wählt Abdul El-Sayed: Der erste Muslim im US-Senat will ein Waffenembargo gegen Israel

Der Demokrat schlägt Mike Rogers im teuersten Senatsrennen Michigans. Sein Programm reicht vom totalen Waffenstopp für Israel bis zur Staatsmedizin; die Vorwürfe zu Muslimbruderschaft und Wahlbetrug bleiben unbelegt.

Michigan schickt erstmals einen Muslim in den US-Senat. Der Demokrat Abdul El-Sayed hat das teuerste Senatsrennen in der Geschichte des Bundesstaates gegen den Republikaner Mike Rogers gewonnen. Die Nachrichtenagentur AP rief ihn laut Bridge Michigan um 2.27 Uhr morgens zum Sieger aus, als 85 Prozent der Stimmen ausgezählt waren und er knapp sechs Punkte vorne lag. Die ausgewiesenen Ausgaben beider Lager überstiegen 270 Millionen Dollar. El-Sayed, Sohn ägyptischer Einwanderer, Arzt und Epidemiologe und früher Gesundheitsdirektor von Detroit, folgt auf den zurücktretenden Demokraten Gary Peters.

In seiner Siegesrede rief er den Anhängern zu, Michigan habe es geschafft; den Gegnern hielt er laut Bridge Michigan vor, sie hätten den Hass gewählt, Michigan aber die Hoffnung. Der Sieg zeige, dass im Kampf zwischen dem Geld und den Vielen die Vielen gewinnen könnten.

Totales Waffenembargo gegen Israel

Was den Fall über Michigan hinaus bedeutsam macht, ist El-Sayeds Programm. Er fordert ein vollständiges US-Waffenembargo gegen Israel, ausdrücklich auch für Defensivwaffen; der CNN-Kommentator Van Jones nannte das laut VINnews «insane», also irrsinnig. El-Sayed war der erste Senatskandidat in Michigan, der Israels Krieg in Gaza als Völkermord bezeichnete. In einer Debatte im Oktober wurde er gefragt, ob Israel oder der Iran die grössere Bedrohung für die USA sei; er nannte die Frage laut Fox Baltimore lächerlich und sagte, beide hätten sich auf ihre Weise als gefährlich erwiesen, das eine Land wolle die USA angreifen, das andere ziehe sie in Kriege hinein, die sie nichts angingen. Innenpolitisch steht er für ein staatliches Einheitsgesundheitssystem nach dem Modell Medicare for All und für öffentliches Eigentum und strikte Regulierung bei KI-Firmen. In der Vorwahl im August schlug er die Abgeordnete Haley Stevens; die wechselte zwei Tage vor der Wahl die Seite und unterstützte Rogers.

Vorwürfe ohne Beleg

Im Wahlkampf und danach kursierten zwei Vorwürfe, die sich nicht erhärten liessen. Erstens die Behauptung, El-Sayed stehe der Muslimbruderschaft nahe. Bei Kontrafunk sprach Collin McMahon davon, die Muslimbruderschaft sei nun im Senat angekommen; bei Tichys Einblick sagte Susanne Heger, in der Presse seien Verbindungen diskutiert worden, El-Sayed habe sie bestritten und als Islamophobie bezeichnet. Einen Beleg nannte keine der beiden Sendungen; unsere Recherche fand keinen.

Zweitens ein Video von James O'Keefe. Es zeigt laut Western Journal und WND einen arabisch sprechenden Wahlhelfer in einem Wahllokal in Dearborn, der einem Undercover-Reporter, der sich als Nichtstaatsbürger ausgab, sagte, er könne zwar nicht für den Präsidenten, aber für die übrigen Ämter stimmen, auch für El-Sayed. Nichtstaatsbürger dürfen bei Bundeswahlen nicht wählen. McMahon sprach von einer Wahlkampfhelferin, die Berichte von einem Wahllokal-Mitarbeiter. Eine Stellungnahme der Wahlbehörden von Dearborn, des Wayne County oder des Staatssekretärs von Michigan lag bei Redaktionsschluss nicht vor; das Video ist bisher nur von konservativen Medien aufgegriffen worden.

Was die Podcasts sagen

Im «Evening Wire» von Morning Wire hiess es, El-Sayed habe mit sieben Punkten Vorsprung gewonnen; ein von Daily Wire befragtes muslimisches Ehepaar sei überrascht gewesen, als es von den Positionen des Kandidaten zu LGBT-Fragen erfuhr. Bei Kontrafunk nannte McMahon El-Sayed einen Muslimbruder und sagte, viele Republikaner gäben der Einwanderung die Schuld an der Niederlage. Im «Bern einfach»-Spezial des Nebelspalters bezeichnete Peter Hossli den Sieg des klar anti-israelischen Kandidaten als leicht besorgniserregend; gehe die Partei in diese Richtung, werde sie ihren Vorsprung in zwei Jahren kaum halten. Er stellte ihm den Texaner James Talarico gegenüber, einen Zentristen, der über seinen christlichen Glauben gesprochen habe; der Flügelkampf zwischen beiden entscheide die Chancen der Demokraten für 2028. Markus Somm fand es unglaublich schlimm, dass die anti-israelische Linke vom Wähler bestätigt worden sei.

NIUS-Autor Claudio Casula zog den schärfsten Schluss: «Die erschreckende Botschaft: Mit Islamismus und Israelhass kann man jetzt sogar in den USA Wahlen gewinnen.»

Klartext

El-Sayed hat eine Wahl gewonnen, und das zählt. Beunruhigend ist nicht sein Glaube, sondern sein Programm: ein Waffenembargo gegen den einzigen demokratischen Verbündeten im Nahen Osten, mitten im Krieg mit dem Iran, dazu Staatsmedizin und Staatseigentum an KI-Firmen. Das ist die Linie, die die Demokraten nach dem Sieg vor sich hertragen werden, und sie wird bezahlt mit amerikanischer Sicherheit und amerikanischem Geld. Wer diesen Kurs bekämpfen will, braucht Argumente statt unbelegter Bruderschafts-Vorwürfe. Rogers hat 270 Millionen Dollar nicht in Argumente verwandelt. Das ist die Lektion für die bürgerliche Seite.

«Die erschreckende Botschaft: Mit Islamismus und Israelhass kann man jetzt sogar in den USA Wahlen gewinnen.»

– Claudio Casula, NIUS