Donnerstag, 5. November 2026

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USA · Künstliche Intelligenz

Rechenzentren verlieren die Wahl: KI-Aktien stürzen ab, Demokraten drohen mit Vorladungen, Musk schaut ins All

Der Sieg der Demokratin Gina Hinojosa in Texas trifft die KI-Infrastruktur an der Börse, 40 von 41 lokalen Abstimmungen gingen gegen Rechenzentren aus. Im Kongress kündigen die Demokraten Verhöre der Tech-Chefs an.

Der Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen hat am Mittwoch die Aktien der KI-Infrastruktur abstürzen lassen. Auslöser war Texas: Die neue Gouverneurin Gina Hinojosa hatte im Wahlkampf laut CNBC ein sofortiges Moratorium für Rechenzentren gefordert und Gouverneur Greg Abbott für deren rasantes Wachstum verantwortlich gemacht. Nach Schätzung von Wells Fargo liegen 27 Prozent der geplanten US-Rechenzentrumsleistung in Texas. Der Betreiber IREN, der dort ein grosses Projekt baut, verlor laut Benzinga zeitweise über 10 Prozent, Nebius schloss laut Yahoo Finance über 6 Prozent tiefer, die Speicherchiphersteller Micron und Sandisk 7 und fast 8 Prozent; Tesla gab rund 5 Prozent nach. Die Hyperscaler gewannen: Amazon rund 7 Prozent, Microsoft 5,5, Alphabet 3 Prozent.

Dan Ives nannte Texas laut CNBC die grösste Sorge der Tech-Anleger; die Kontrolle der Demokraten über den Senat schaffe für KI-Gesetze grosse Hürden. Die Wähler hatten zuvor landesweit ein Zeichen gesetzt: Von 41 lokalen Abstimmungen über Rechenzentren in zehn Bundesstaaten, laut CNBC-Auswertung von Ballotpedia, gingen alle bis auf eine gegen die Projekte aus; allein in Ohio standen 21 zur Wahl. In einer CNBC-Wählerumfrage nannten 56 Prozent Rechenzentren einen entscheidenden oder wichtigen Faktor für ihre Stimme. Elon Musk, mit mindestens 474 Millionen Dollar grösster Einzelspender des Wahlkampfs, fast die Hälfte davon in Texas, verlor beide Hauptrennen des Staates.

Vorladungen für die Tech-Chefs

Kaum stand die Mehrheit fest, meldeten sich die Demokraten mit ihrem Programm. Der Abgeordnete Greg Casar, Vorsitzender des Progressive Caucus, erklärte laut einem Bericht auf Yahoo News, die Chefs der KI-Firmen müssten unter Eid aussagen; die Wähler hätten die Republikaner auch deshalb abgestraft, weil diese von KI-Milliardären gekauft und bezahlt worden seien. Senator Ed Markey, der im Januar den Vorsitz des Ausschusses für Kleinunternehmen übernehmen soll, antwortete auf X auf die Frage, wann Tech-Manager vor Gericht stünden, man werde neue Wälder pflanzen müssen für all die Vorladungen. Casar hatte schon im Frühjahr verlangt, die Chefs von OpenAI, Anthropic und anderen Firmen zu Cyberangriffen mit ihren Modellen vorzuladen.

Musk reagierte am Mittwoch mit einem Satz auf X, den Morning Wire im «Evening Wire» zitierte: «Rechenzentren im Weltraum sehen ziemlich attraktiv aus.» Das ist mehr als ein Scherz: SpaceX hat am 30. Januar bei der Telekomaufsicht FCC die Genehmigung für bis zu eine Million solarbetriebene Satelliten als Orbital-Rechenzentren beantragt und danach die KI-Firma xAI übernommen; die FCC hat noch nicht entschieden, und Ingenieure verweisen auf Latenz und Kühlung im All. Laut Morning Wire betreibt xAI zwei Supercomputer in Memphis und plant in Mississippi einen Standort mit zwei Gigawatt; diese Zahl liess sich nicht unabhängig bestätigen.

Was die Podcasts sagen

Tichys Börsenwecker erklärte am Donnerstag die Marktlogik: Texas gelte als Schlüsselstaat des KI-Ausbaus, ein demokratischer Wahlsieger dort bremse ihn. Deshalb fielen die kleinen, schuldenfinanzierten Rechenzentrumsbetreiber und die Speicherchips, was auch den koreanischen Kospi belaste; die Hyperscaler dagegen stiegen, weil vorhandene Rechenleistung wertvoller werde und Amazon, Microsoft und Google weniger Kapital verbrennen müssten.

Morning Wire hatte das Thema schon vor der Wahl erkannt. Ben Domenech sagte zwei Tage vor dem Wahltag, die Demokraten hätten KI zu einem beherrschenden Thema gemacht, das die Republikaner völlig überrascht habe; weil der Präsident persönlich so eng mit den Silicon-Valley-Milliardären verbunden sei, hätten sie sich davon nicht absetzen können. Einen Plan, wie Amerika ohne Rechenzentren auskomme, hätten die Demokraten aber nicht: «Sie sind nur zu gerne bereit, dieses Thema zu demagogisieren.» Nach der Wahl berichtete der «Evening Wire», eine Politico-Umfrage zeige, dass die meisten Amerikaner KI-Firmen für republikanisch hielten, obwohl deren Spenden an beide Seiten flössen.

Die Shows stimmen überein: Der Strompreis hat die Wahl mitentschieden. Die Börse zog daraus die Konsequenz, die Politik wird folgen.

Klartext

Die Wähler in Texas und Ohio haben nicht gegen Computer gestimmt, sondern gegen Stromrechnungen, die sie für fremde Investitionen bezahlen. Darauf gibt es eine marktwirtschaftliche Antwort: Wer ein Rechenzentrum baut, zahlt seinen Netzanschluss und bringt eigene Erzeugung mit, so wie es Abbott im Juni noch verfügt hat. Moratorien und Vorladungen senken keine einzige Rechnung; sie verlagern den Ausbau in andere Staaten oder, wenn Musk ernst macht, in den Orbit. Was Amerika braucht, ist mehr Strom, aus Gas und Kernkraft, nicht weniger Nachfrage. Die Demokraten haben das Thema gewonnen. Lösen werden sie es nicht mit Subpoenas.

«Rechenzentren im Weltraum sehen ziemlich attraktiv aus.»

– Elon Musk auf X, zitiert im «Evening Wire» von Morning Wire