Mittwoch, 4. November 2026

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Korruption als Wahlkampfthema: Trump gibt sich unbeeindruckt

Vor den Midterms machen die Demokraten Trumps Begnadigungspraxis und die Kryptogeschäfte seiner Familie zum Thema, und Umfragen zeigen Wirkung bis ins republikanische Lager. Trump lässt die Vorwürfe demonstrativ an sich abprallen.

Drei Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November ist Korruption zu einem der grossen Wahlkampfthemen geworden – und sie richtet sich vor allem gegen den Mann, der gar nicht auf dem Wahlzettel steht. Die Demokraten werfen Donald Trump und seiner Familie vor, das Präsidentenamt für private Geschäfte zu nutzen. Trump selbst gibt sich unbeeindruckt und dreht den Vorwurf um.

Was die Umfragen zeigen

Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Vorwurf verfängt. In einer Umfrage von Washington Post, ABC News und Ipsos, veröffentlicht am 18. Oktober, sagen knapp zwei von drei Amerikanern, Trump nutze die Präsidentschaft, um sich zu bereichern. Bemerkenswert ist die Bewegung im eigenen Lager: Unter Republikanern und republikanisch geneigten Unabhängigen stieg der Anteil von 22 Prozent im September 2025 auf 34 Prozent. Zugleich traut keine Partei dem Thema wirklich: Mehr als vier von zehn Befragten sagen, keiner der beiden Parteien sei im Kampf gegen Korruption zu trauen.

Eine Fox-News-Umfrage unter 1202 Befragten (9. bis 12. Oktober) kam zum Ergebnis, dass sich fast 90 Prozent extrem oder sehr stark über Korruption in der Regierung sorgen – mehr als über Inflation und hohe Preise (85 Prozent). Die Frage betraf allerdings Korruption allgemein, nicht Trump persönlich.

Begnadigungen, Krypto, Familiengeschäfte

Konkret stützen sich die Vorwürfe auf mehrere Recherchen etablierter Medien. Reuters identifizierte im Juni 290 Fürsprecher, die öffentlich oder im Hintergrund Begnadigungen für 197 Personen erwirkt hatten. Laut sechs mit den Vorgängen vertrauten Personen verlangen Vermittler mit Zugang zu Trumps Umfeld bis zu zwei Millionen Dollar; was einzelne Berater tatsächlich kassierten, konnte Reuters nicht feststellen. Das Weisse Haus hält dagegen, das Begnadigungsrecht liege allein beim Präsidenten, und es gebe ein strenges Prüfverfahren mit dem Rechtsdienst des Weissen Hauses und dem Justizministerium.

Das zweite Feld sind Kryptogeschäfte. Laut Bloomberg haben Mitglieder der Familie Trump rund 1,55 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Token des Unternehmens World Liberty Financial eingenommen. Mitbegründer ist der heutige Nahost-Sondergesandte Steve Witkoff. Acht demokratische Senatoren verlangten im Oktober 2025 von ihm Auskunft, weshalb er laut seiner Offenlegung noch immer Beteiligungen halte, wie Fortune berichtete. Das Weisse Haus hat Interessenkonflikte im Zusammenhang mit den Kryptogeschäften der Familie wiederholt bestritten. Ein Gericht hat in diesen Fragen bisher nichts festgestellt.

Trump selbst reagiert mit Gegenangriff. Nach seiner vorzeitigen Stimmabgabe in West Palm Beach sagte er laut AFP: «You ought to look at the real corruption, it's Democrat corruption.»

Was die Podcasts sagen

Im Nebelspalter-Podcast «Bern einfach» erklärte der USA-Kenner Peter Hossli, Leiter der Ringier-Journalistenschule, die Demokraten setzten neben den Lebenshaltungskosten und den Kriegen in der Ukraine und im Iran vor allem auf Korruption. Er verwies auf eine Umfrage, wonach 66 Prozent dieses Thema stark beschäftige; welche Umfrage er meinte, liess sich nicht feststellen. Hossli sagte, rund um Begnadigungen sei eine ganze Industrie entstanden. Markus Somm räumte ein, die Korruption habe überhandgenommen, auch wenn Washington schon lange korrupt sei; Trump übertreibe wie in allem. Die Familie bediene sich in extremer Weise, und auch Witkoff sammle privat Geld ein – Behauptungen, die in dieser Form nicht belegt sind.

Ganz anders die Perspektive im «TE Wecker» von Tichys Einblick. Die Gesprächspartnerin, laut Episodenbeschreibung Susanne Heger, besuchte eine Trump-Kundgebung in Südwestflorida und beschreibt einen Präsidenten, der Vorwürfe und Klagen demonstrativ an sich abprallen lasse. Er sei «ein Menschenfänger», die Stimmung im Saal begeistert. Trump wisse aus Erfahrung, «politisch werde ich jetzt mit Klagen überzogen, egal von wem». Der Moderator sprach von Meldungen «im Stundentakt» über Frauen, die Trump Vergewaltigung vorwerfen; neue derartige Vorwürfe fanden wir in etablierten Medien für die letzten Tage nicht. Belegt ist der Fall E. Jean Carroll: Ein New Yorker Gericht sprach ihr 2023 fünf Millionen Dollar zu, weil Trump sie sexuell missbraucht und verleumdet habe; der Supreme Court lehnte Trumps Berufung im Juni ab. Trump bestreitet die Vorwürfe.

Beide Sendungen sind sich einig, dass Trump die Wahl dominiert. Bei «Bern einfach» erscheint die Korruption als echte Hypothek, bei Tichys Einblick die Vorwurfsflut als politisches Ritual, das Trump eher nützt.

Klartext

Dass Begnadigungen von Zugang zum Präsidentenumfeld abhängen und die Präsidentenfamilie Milliarden mit Kryptowährungen verdient, die die Regierung zugleich reguliert, ist kein Detail. Wer Rechtsstaat und Gleichheit vor dem Gesetz ernst nimmt, muss das unabhängig von Parteifarben benennen. Ebenso gilt: Recherchen sind keine Urteile, und viele Vorwürfe sind bisher weder gerichtlich geprüft noch bewiesen. Dass inzwischen ein Drittel der republikanischen Wähler die Selbstbereicherung kritisch sieht, zeigt, dass das Thema nicht bloss eine Erfindung der Gegner ist. Die Kontrolle darüber gehört in die Hände eines Kongresses, der sie auch ausübt – das ist die eigentliche Frage am Dienstag.

«politisch werde ich jetzt mit Klagen überzogen, egal von wem»

– Gesprächspartnerin (laut Episodenbeschreibung Susanne Heger) über Trumps Haltung, «TE Wecker», Tichys Einblick